Eifersüchtig auf den Bühnen-Erfolg

Alle kennen es, doch niemand gibt es zu: Die Eifersucht, im Theater ein oft gesehener Gast über den man schweigt,
Von Stefanie Gygax

Wie oft ich schon von einer Freundin gehört habe, die ist doch eifersüchtig, deshalb benimmt sie sich so komisch. Meistens dann, wenn ich wiedermal vergessen hatte, dass dieses Gefühl offensichtlich allgegenwärtig ist. Ich selbst will mich da nicht raus nehmen, ich denke nur manchmal nicht daran, zum Glück.

«Mein Gott, die hat wieder eine Hauptrolle abgestaubt!»

Bei mir schlägt diese Emotion üblicherweise während Produktionslücken zu und leider meistens getriggert durch plakative BEiträge in den sozialen Medien. Wenn man in arbeitsarmen Zeiten besonders viel Kapazität hat, sich die ganzen Stories und Reels anzuschauen, greift genau dann der Neid nach meinem eh schon geschwächten Nervenmantel.

Mein Gott, die hat wieder eine Hauptrolle abgestaubt und der als Mann ist sowieso durchgehend engagiert, weil es mehr Männerrollen als männliche Darsteller gibt. Wo bleibt da die Gerechtigkeit. Ich gerate schnell in den Frustrationsstrudel. Und übrigens an Alle, die das auch ab und zu durchmachen: Aus dem regen Austausch mit Berufskolleg*innen weiss ich, dass viele der glücklichen Gesichter auf Insta, im Innern gar nicht so zufrieden sind mit dem Job!

Es fragt sich also auch immer, ob nicht weniger, aber dafür feste Bühnenjobs mehr Glück bedeuten würde, wenn es Engagements wären, die einem echten Spass machen und mit Menschen stattfinden, die einem wohlgesonnen sind. Aber ja, wenn ich wieder in Arbeit  ertrinke, mache ich mir diese Gedanken natürlichweniger und dulde die Eifersüchteleien der anderen mit einem Schmunzeln.

Was können wir Positives aus dieser Sucht, die Leiden schafft, ziehen? Dass es uns zeigt, was wirklich wichtig ist für uns? Signalisiert es mir, wonach ich mich sehne? Oder fühle ich mich „nur“ ausgeschlossen, momentan nicht Teil eines Teams zu sein? Möchte ich wirklich nur ein Stückchen sein oder der ganze verdammte Kuchen?

Mann oh, ich will aber beide Seiten geniessen. Ich liebe es, ab und zu auf mich alleine gestellt zu sein. Dann bin ich mein eigener Chef, mache Homeoffice wenn es mir passt, unterrichte meine Gesangsschüler*innen und bin dankbar, dass ich arbeiten darf, so wie ich es für sinnvoll halte. Aber dann kommt wieder dieses Ziehen und ich will auch wieder in einem festen Ensemble mitspielen können.

« … gehört zu unserem Leben wie Trauer, Angst oder Freude.»

Die Eifersucht kann zwar störend sein, aber sie pusht uns auch, nie aufzugeben. Egal wie lange wir diesen Beruf schon ausüben, wir wollen einen guten Job machen, uns mit den Besten messen können und vielleicht sogar selbst zum Subjekt dieses Gefühls werden. Ich verspreche dir, Jeder und Jede unter uns wurde schonmal Opfer der Eifersucht in die eine oder andere Richtung!

Ob wir es nun merken oder nicht, diese Emotion gehört zu unserem Leben wie Trauer, Angst oder Freude. Sie bedeutet auch Staunen und Wertschätzung. Egal ob im Beruf, privat oder zu Hause ganz für uns alleine. Eifersucht ist nichts Schlimmes, wenn man die negative Energie in positive Schöpferkraft umwandelt. Wir sind Alle ein Unikat. Leider ist es in unserer Gesellschaft aber die Norm, dass man sich misst mit seinem Gegenüber und so entstehen dann diese komischen Situationen.

„Des Glückes Tod ist der Vergleich“ sagt der Mentaltrainer Dieter Lange. Warum tun wir es dann? Bringt das Jemanden weiter? Motiviert es dich, besser zu werden? Na dann, nichts wie ran und werde endlich zu der besten Version deiner Selbst. Am Ende unseres Lebens wollen wir doch schliesslich sagen können: „Ich habe mein Bestes gegeben und mich stets weiterentwickelt.“

Du solltest dir nicht vorwerfen müssen, irgendwann keine Kraft mehr gehabt zu haben, das Leben in die Richtung zu lenken, die dich glücklich macht. Du hast immer eine Wahl. In jeder Minute deines Lebens kannst du deine Pläne einfach umstellen und in eine komplett andere Richtung gehen. Du darfst einfach keine Angst haben, dass es vielleicht anders kommt, als du denkst. No risk no fun und bitte höre nie auf damit. Aber nicht nur im Aussen, auch im Innern sollten wir alle viel mutiger sein und ab und zu etwas komplett Neues wagen, denn:

„Leben ist dort, wo du noch nicht warst, alles Andere ist Wiederholung.“

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