KI transformiert die Filmindustrie – Beispiele
Künstliche Intelligenz greift tief in die Arbeit von Schauspielerinnen, Tänzern und Filmschaffenden ein. Fragen nach dem Schutz der eigenen Identität und der Definition von Kreativität kommen auf.
Der SzeneSchweiz-Workshop – zusammengefasst mit Hilfe von KI.
Das Gehirn hinter der Maske
Um die Auswirkungen von KI zu verstehen, muss man ihre Funktionsweise entmystifizieren. Entgegen der landläufigen Meinung sind KIs nicht im menschlichen Sinne «intelligent». Vielmehr basieren sie auf dem Lernen riesiger Datenmengen und der Berechnung von Wahrscheinlichkeiten. Ein Sprachmodell schreibt Texte Wort für Wort, indem es das statistisch wahrscheinlichste nächste Glied einer Kette wählt. Ähnlich verfahren Video-KIs, die einzelne Bilder (Frames) und deren zeitliche Veränderung analysieren, um Bewegungsabläufe vorherzusagen.
Diese rein mathematische Herangehensweise führt dazu, dass KI heute zwar täuschend echte Deepfakes erstellen kann, die Frage nach echter künstlerischer Kreativität jedoch weiterhin kritisch gesehen wird. In der Schweiz wird diese Grenze auch rechtlich gezogen: Inhalte, die ausschliesslich durch eine KI-Anwendung erzeugt wurden, geniessen grundsätzlich keinen Urheberrechtsschutz, da das Gesetz eine «natürliche Person» als Urheber voraussetzt.
Jobkiller oder Werkzeug?
Die Sorge, dass KI menschliche Darsteller ersetzen könnte, ist präsent, aber differenziert zu betrachten. Derzeit schützt die Komplexität der menschlichen Darstellung den Beruf: Es erfordert mehrere Wochen intensiver Arbeit von Experten, um eine KI auf nur eine Minute einer individuellen Performance zu trainieren. Dies macht den Einsatz digitaler Doubles oft teurer als die Beschäftigung menschlicher Darsteller.
Dennoch zeichnen sich Veränderungen ab. In Werbeproduktionen, die oft auf generische Charaktere ohne Charaktertiefe setzen, wird die KI künftig häufiger das Ruder übernehmen. Auch an Schweizer Hochschulen wie der ZHdK oder der HKB wird intensiv erforscht, wie KI als Werkzeug in der Lehre und im kreativen Prozess eingesetzt werden kann, ohne die menschliche Urheberschaft zu verdrängen.
Rechtsschutz im Zeitalter der Daten-Piraterie
Ein kritischer Punkt ist die Verwendung biometrischer Daten. Da frühere KI-Modelle oft ungefragt mit Unmengen an Internetdaten trainiert wurden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Bilder heutiger Künstler bereits Teil dieser Datensätze sind. Da diese Sätze meist geheim gehalten werden und die Konzerne oft im Ausland sitzen, ist der Rechtsweg steinig und teuer.
Für die Praxis in der Schweiz wird dringend empfohlen, bei neuen Verträgen spezifische KI-Passagen einzufügen. Organisationen wie SzeneSchweiz oder die Interpret:innen-Genossenschaft haben hierfür bereits rechtlich geprüfte Vorlagen und Bausteine entwickelt, um die Kontrolle über das eigene digitale Abbild zu behalten.
Neue Chancen für Visionäre
Trotz der Risiken bietet die KI enorme Vorteile für die Vorproduktion. Sie fungiert als mächtiges Recherchetool und ermöglicht es, Drehbücher effizient in Storyboards oder Bühnenbildentwürfe zu verwandeln. Selbst kleine Produktionen können durch KI-gestützte CGI und Spezialeffekte visuelle Welten erschaffen, die früher unbezahlbar gewesen wären. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im «Prompting» – der präzisen Formulierung von Befehlen, die als neue Kulturtechnik den kreativen Prozess von morgen prägen wird.


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