Schauspielhaus am Ende? Ein Medienhoax.

«Nur 17 Prozent Auslastung!» brannte sich als Gerücht übers Schauspielhaus die letzten Wochen durch die Kulturszene. Warum das ein Hoax ist, was dahintersteckt und was die Intendanz hätte besser machen können.

Die Kulturlandschaft steht unter Druck, Gelder sind knapp, politisch und medial wird im Bereich Kunst abgebaut – da passte das Gerücht, das Schauspielhaus habe nur noch 17 Prozent Auslastung – mit 1000 Franken Subvention pro Eintritt – und damit das unterste Ende erreicht, in die allgemeine Stimmung. Nur, es ist eben nicht mehr als ein Gerücht.

Angefangen hat es mit einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in dem erwähnt wurde, dass die Aufführungen TEILWEISE nur 17 Prozent ausgebucht seien (100 besetzte Sitze bei 750 Plätzen). Der Tagesanzeiger hat dann das „teilweise“ ignoriert und alarmistisch über das Gerücht berichtet. Wahr ist, dass einzelne Aufführungen schlecht liefen. Andere, wie „El Gattopardo“ waren durchwegs ausverkauft. Aus einer isolierten Beobachtung vor Ort eine Zahl zur Gesamtauslastung zu generieren, auch wenn man dabei auf die Gerüchteküche verweist, ist etwas fahrlässig für Qualitätsmedien. Nun der Spoiler – die 17 Prozent sind eine reine Phantasiezahl.

Die Intendanz verweigert sich

Man fragt sich natürlich, warum sich diese absolut zufällige Zahl so verbreiten konnte. Zuerst einmal hat das mit dem Kommunikationsstil des Intendantenduos Pınar Karabulut und Rafael Sanchez zu tun. Im Artikel des Tagesanzeigers bestreiten sie vehement (und zu recht) die Gerüchte, liefern aber keine belastbaren Zahlen.

Das Schauspielhaus hält grundsätzlich nicht viel von Transparenz, zB sind auch die Saläre der Intendanz vorerst noch geheim und werden erst nächstes Jahr auf starken Druck hin veröffentlicht. Was bei einem Betrieb, der mit jährlich rund 40 Millionen Franken, fast 85 % des gesamten Aufwandes, aus öffentlichen Geldern finanziert wird, eher schwach ist. Aber zurück zum Thema: Natürlich verstärkt das Bestreiten ohne klärende Daten das Gerücht. Dementis sind nur dann brauchbar, wenn man sie mit Fakten untermauern kann.

Wieviel Auslastung gibt es jetzt wirklich?

Der öffentliche Druck wurde irgendwann zu stark und das Schauspielhaus gab in einem nachfolgenden Interview mit dem Tagesanzeiger die echten Zahlen dann doch noch bekannt: Es besteht eine Auslastung von 48 Prozent über die letzten 9 Monate. Das ist nicht rosig, aber auch keine Katastrophe. Die beste Auslastung hatte die Zwischenintendanz unter Ulrich Khuon mit 65 Prozent, in durchschnittlichen Jahren liegt sie etwas über 50 Prozent.

Nur, wer gab uns diese echten Zahlen? Die Intendanz? Nein, sie haben Stefan Mühlemann, den Co-Präsidenten des Verwaltungsrats (ehemals Finanzmanager bei Nèstle!),vorgeschickt. Jemand, der absolut keinen Zusammenhang zwischen Auslastung und künstlerischem Konzept machen kann. Er ist ein Geldmensch, kein Kulturprofi, und diente als Puffer zwischen den Verantwortlichen und der Öffentlichkeit. Er wurde im Interview auch auf die Löhne der Intendanz angesprochen und liess die Frage in glatter Managermanier abgleiten.

Was lernen wir daraus? Das Schauspielhaus will nicht mit der Öffentlichkeit über ihre von der Öffentlichkeit bezahlte Arbeit sprechen. Nicht mal, wenn es um trockene Zahlen geht. Da hats sicher Optimierungspotential.

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