SzeneSchweiz wird kämpferischer

Internationaler, direkter, kämpferischer – die Delegiertenversammlung SzeneSchweiz formulierte, welchen Weg der Verband in Zukunft einschlagen will.

Eigentlich ist eine Delegiertenversammlung eines Verbandes eine trockene Angelegenheit: Budgets werden genehmigt, Vertreter gewählt, Jahresberichte besprochen. Nichts, was das Herz höher schlagen lässt. Doch diesmal war im Zentrum Karl*a so etwas wie Aufbruchstimmung zu spüren.

Der Grund dafür war eigentlich eher traurig. Das Bundesamt für Kultur lehnte den SzeneSchweiz-Antrag für Fördergelder ab, mit der Begründung, der Verband sei in der Romandie nicht repräsentativ. An der Entscheidung des Bundes gibt es vieles zu kritisieren, zum Beispiel, dass die Fördergelder gerade für den Ausbau der Vertretung in der Westschweiz benötigt würden. Oder dass es keinen anderen reinen Arbeitnehmerverband in den Darstellenden Künsten gibt, der die Interessen der Darsteller*innen in dieser Reichweite vertritt.

SzeneSchweiz, und der Vorstand, hätten jetzt traurig die Daumen drehen können, aber das taten sie nicht. Präsident Matthias Albold konnte den Verband hinter einer Zukunftsvision einigen, die allen aus dem Herzen sprach, selbst seinen internen Gegner*innen: Wenn man nicht mehr auf die zarten Gefühle des Bundesamtes für Kultur Rücksicht nehmen muss, kann man sich auch klarer und kämpferischer positionieren.

SzeneSchweiz ist nicht in erster Linie ein Kulturverband, obwohl uns das Überleben der Schweizer Kulturlandschaft aus offensichtlichen Gründen am Herzen liegt. SzeneSchweiz ist ein Arbeitnehmerverband, der sich für die Schwächsten in der Branche einsetzt. Eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft, aus der Position der Abhängigkeit herauszukommen und mit Stärke aufzutreten.

Dazu forderte Albold die Regionalgruppen auf, sich direkter zu vernetzen und ihre Erfahrung noch stärker einzubringen. Parallel dazu bemüht sich der Verband, stärkere europäische und internationale Zusammenarbeit zu suchen – gerade bei Brandthemen wie künstlicher Intelligenz oder Grundeinkommen sind alle Darstellenden in allen Ländern herausgefordert.

Der Hauptfokus liegt aber im nationalen Engagement: Ob in der politischen Debatte oder bei den GAV-Verhandlungen, ob bei Missständen in der Branche oder bei der Überprüfung der internen Verteilung von Fördergeldern: SzeneSchweiz wird lauter und auch ein wenig unbequemer. Natürlich sind Kompromisse das Ziel, aber das Streiten darum wird künftig wohl hör- und spürbarer werden

 

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