Professionelle Weiterentwicklung – mit den richtigen Lehrpersonen!
Was macht eine gute Lehrperson aus? Als Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin, die sich fortwährend weiterbildet, beschäftigt mich diese Frage schon seit Langem: Steht und fällt unser Erfolg mit den Unterrichtenden oder haben wir schlussendlich das Meiste selbst in der Hand?
Fakt ist, dass Talent einem sehr weit bringen kann. Es gibt immer diejenigen, die ohne grosse Ausbildung direkt auf der Bühne lernen. Learning by doing. Aber am Ende bleibt meist eine Unsicherheit: Kann ich das wirklich?
Und dann gibt es Studierende, die nie auf die Bühne gehen, weil sie sich für einen anderen Weg entscheiden, oder sich dem Druck der Auditions nicht stellen wollen. Ich denke die Meisten liegen irgendwo dazwischen, in einer Balance der beiden Extreme.
Nachdem ich mein Musicalstudium abgeschlossen hatte, war für mich klar, dass ich für die Klassik nicht nochmal 4 Jahre meines Lebens für ein Vollzeitstudium hergeben möchte. Ich begann also bei einer renommierten Opernsängerin in Zürich privaten klassischen Gesangsunterricht zu nehmen. Plötzlich merkte ich, dass meine Stimme sich bei ihr viel mehr weiter entwickelte, als in den 5 Jahren Gesangsunterricht zuvor.
Automatisch machte ich die Schlussfolgerung, dass meine Stimme mehr für die Klassik gemacht ist. Woran sollte es sonst liegen, an den Lehrer*innen? Neee, auf diesen Gedanken kam ich nicht mal. Mir wurden auch plötzlich Operettenrollen angeboten, also stimmte meine Ansicht wohl.
Der Weg zurück
Ich schwamm mit dem Strom und arbeitete immer mehr in Richtung Klassik. Aus Nostalgie, weil ich das Musical schon immer liebte, kehrte ich mit der Wiederaufnahme des Musical Space Dream, welches mich seit klein auf begleitete, noch einmal zurück auf die Musicalbühne. Ein Kollege empfahl mir eine Lehrerin, die spezialisiert sei auf Belting. Mittlerweile gibt es ja ganz viele Techniken und Ausbildungen, die damit arbeiten.
Das Belting (englisch für ‚schmettern‘) ist eine Gesangstechnik, die bevorzugt im Bereich Musical, Popmusik und Soul, aber durchaus auch in anderen (vor allem Jazz-verwandten) musikalischen Genres eingesetzt wird. Durch eine gegenüber dem klassischen Gesang veränderte Vokalbildung und Registermischung wird ein „schmetternder“ und „durchdringender“ Klang erreicht.
Vor 20 Jahren war das eher noch was Besonderes. Diese Spezialistin meinte, jeder kann das lernen und so ging ich jede Woche zu ihr zum Unterricht, ein Jahr lang… nichts veränderte sich, kein Fortschritt, kein anderes Gefühl beim singen, kein Belting… Traurig akzeptierte ich die Tatsache. Es kam mir aber nie in den Sinn, dass ich bisher nicht die oder den richtigen Lehrer für mich gefunden hatte! Das waren doch alles ausgebildete, hochqualifizierte Dozent*innen.
Die richtige Lehrperson finden!
20 Jahre später kann ich dir mit Sicherheit sagen, es steht und fällt mit der Lehrperson, ob du Fortschritte machst und ein Handwerk richtig lernst, egal in welchem Fach!! Aber, wenn du die oder den Richtigen gefunden hast, dann musst du auch üben, trainieren, ausprobieren!! Die Stimme verändert sich mit dem Körper mit, aber die Technik ist das A und O, das lernst du nicht alleine.
Wenn du merkst, du kommst bei einem Coach nicht weiter, obwohl du regelmässig Unterricht nimmst und übst, dann empfehle ich dir, dich auf die Suche nach einem Neuen zu machen. Auch wenn es menschlich stimmt, muss es nicht der oder die Richtige für dich sein. Gerade die Stimme wird von Allen anders verstanden und gespürt, deshalb lohnt sich die Investition in die Suche eines passenden Vocal Coaches. Aber das gilt nicht nur fürs Singen.
Im Tanzen hatte ich das Glück von klein auf bei einem Ballett-Tänzer zu lernen, der sehr detailliert und gründlich mit uns arbeitete! Klar war das manchmal langweilig, aber ich habe durch ihn eine besondere Bewegungsqualität verinnerlichen dürfen, die mir bis heute in Choreographien hilft.
Als ich dann bei ihm aufhörte, aufgrund der Musicalausbildung in Wien, bekam ich nach 2 Jahren starke Schmerzen in den Gelenken. Nachdem ich beim Arzt war, sagte man mir, dass ich eine starke Skolliose habe und schief gebaute Hüften. Ich müsse es wohl vergessen mit dem Tanzen. Mittlerweile ist mir klar, dass dies mit dem Forcieren erst zum Tragen kam.
Die eigenen Grenzen kennen
Klar wurden wir gepusht, es hiess: „Beine höher, Sprünge höher, mehr Drehungen, Steffi du bist zu langsam, wo ist die Balance? Du musst mehr trainieren!“ Und Steffi tat dies, bis sie kaum mehr gehen konnte und sie zu hören bekam: „Was ist denn auf einmal das Problem? Du hast doch jetzt 2 Jahre lang jeden Tag bei uns trainieren können, jetzt geht das plötzlich nicht mehr? Das ist aber komisch.“ Ja es passieren interessante Sachen und schlussendlich sind wir natürlich für uns selbst verantwortlich, wie weit wir gehen möchten.
Wir wissen alle, dass gute Coaches und Training allein manchmal nicht reichen, sondern es braucht auch viel Glück und gutes Timeing im Leben.
Bitte meine Lieben, hört nicht auf an euch zu glauben und findet tolle Dozent*innen und Coaches, die euch begleiten auf eurem Weg. Im Leben so wie auch im Beruf, machen wir einfach viel schnellere Fortschritte, wenn wir die richtigen Menschen an unserer Seite haben. Ein Zitat von Veit Lindau gefällt mir besonders gut: „Mitmenschen sind wie Fahrzeuge, die uns irgendwo hinbringen und es spielt eine Rolle, wo wir mit einsteigen und wo nicht!“


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