Tipps für einen Pro Helvetia-Förderantrag
Was muss man beachten, wenn man einen Förderantrag bei Pro Helvetia stellt? Jérôme Benoit, Stellvertretender Direktor, gibt Tipps.
In einem Interview mit der Plattform fundrasio erklärte der stellvertretende Direktor Jérôme Benoit, worauf Antragssteller*innen bei Pro Helvatia achten müssen. ENSEMBLE hat die wichtigsten Hinweise in einer Übersicht zusammengefasst.
Darauf muss du bei einem Förderantrag bei Pro Helvetia achten
Vor der Einreichung
- Die Website von Pro Helvetia ist der beste Ausgangspunkt: Sie bietet einen umfassenden Überblick über geförderte Projektarten sowie die geltenden Förderkriterien. Erst wenn darüber hinaus spezifische Fragen offen bleiben, empfiehlt sich der direkte Kontakt mit den Fachteams – ebenfalls über die Website.
- Erstgesuchstellende sollten unbedingt das Gespräch mit den zuständigen Fachpersonen suchen, bevor sie einen Antrag einreichen. So lässt sich frühzeitig einschätzen, ob ein Projekt die Fördervoraussetzungen erfüllt – und unnötiger Aufwand auf beiden Seiten wird vermieden.
- Wer bereits Erfahrung mit Pro Helvetia hat und die Fördermechanismen kennt, kann in der Regel direkt einreichen.
Was ein gutes Gesuch ausmacht
- Eine sorgfältig ausgearbeitete Projektbeschreibung ist das Herzstück des Antrags: Sie muss klar machen, was konkret umgesetzt wird, wie Konzept und Umsetzung zusammenhängen und warum das Projekt für Pro Helvetia relevant ist.
- Dazu gehören ein realistischer Zeitplan sowie ein transparenter und nachvollziehbarer Finanzierungsplan. Da Pro Helvetia grundsätzlich subsidiär fördert, muss deutlich werden, wie das Projekt auch anderweitig mitfinanziert wird.
- Starke Arbeitsproben sind unverzichtbar: Sie belegen die künstlerische Qualität und Professionalität der Gesuchstellenden und sind ein zentrales Beurteilungskriterium.
- Der Bezug zur Schweizer Kulturszene muss klar erkennbar sein – sei es durch die Beteiligten, den Entstehungskontext oder die inhaltliche Ausrichtung des Projekts.
Die entscheidende Frage im Antrag
- Benoît empfiehlt, die Relevanz des Projekts ins Zentrum zu stellen: Warum ist dieses Vorhaben wichtig – und warum gerade jetzt? Allgemeine Aussagen reichen nicht; gefragt sind präzise, überzeugende Antworten.
- Das Projekt sollte klar in aktuellen künstlerischen oder gesellschaftlichen Diskursen verortet sein. Wer zeigt, dass er oder sie den Kontext kennt und dazu eine eigenständige Position einnimmt, macht deutlich, worin die Innovationskraft des Vorhabens liegt.
- Kurz gesagt: Ein starker Antrag vermittelt nicht nur, dass ein gutes Projekt geplant ist – sondern ein künstlerisch notwendiges.
Häufige Fehler vermeiden
- Vage oder widersprüchliche Projektbeschreibungen sind einer der häufigsten Schwachpunkte. Wer nicht klar benennen kann, was genau umgesetzt werden soll, schwächt den Antrag erheblich.
- Unrealistische oder intransparente Budgets wecken Zweifel an der Umsetzbarkeit. Ein glaubwürdiger Finanzierungsplan zeigt, dass das Projekt solide geplant ist.
- Fehlender Bezug zu den Förderzielen ist ein weiterer kritischer Punkt: Antragsteller:innen sollten explizit herausarbeiten, warum ihr Projekt zu den Zielen und Werten von Pro Helvetia passt – das darf nicht implizit bleiben.
- Auch unklare Kooperationsstrukturen oder schwache Unterlagen können die Qualität eines Antrags deutlich mindern.
Internationale Ausrichtung
- Das internationale Potenzial eines Projekts spielt bei der Beurteilung eine wichtige Rolle und wird intern oft diskutiert – allerdings hängt seine Gewichtung stark vom jeweiligen Förderformat ab.
- Für Formate wie Touring oder Co-Creation Grants ist die internationale Ausrichtung ein zentrales Kriterium. Bei anderen Formaten wie Werkbeiträgen spielt sie hingegen eine untergeordnete oder keine Rolle.
Nach einer Absage
- Grundsätzlich gilt: Ein einmal abgelehntes Gesuch kann nicht erneut eingereicht werden. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn ein neuer oder wesentlich veränderter Sachverhalt vorliegt – ein Anspruch auf Neubeurteilung besteht jedoch nicht.
- Dennoch lohnt es sich, das Gespräch mit den Fachpersonen zu suchen: Sie erläutern die Ablehnungsgründe und geben wertvolle Hinweise für künftige Anträge. Dieses Feedback kann entscheidend sein, um die eigene Praxis weiterzuentwickeln.
Langfristige Zusammenarbeit aufbauen
- Pro Helvetia versteht sich als Brückenbauerin – zwischen Kulturen, Disziplinen und Menschen. Wer eine nachhaltige Beziehung aufbauen möchte, sollte die Zusammenarbeit als langfristigen kulturellen Dialog begreifen und nicht als einmalige Förderbeziehung.
- Neugier, gepflegte Partnerschaften und die Bereitschaft, über den eigenen Kontext hinauszudenken, sind laut Benoît die Grundlage für eine fruchtbare, langfristige Zusammenarbeit mit der Stiftung.


Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!