Deutsche Sprecher*innen bestreiken Netflix

Zahlreiche Sprecherinnen und Sprecher haben die Arbeit an Produktionen des Streaming-Giganten Netflix eingestellt. Grund dafür ist eine neue, hochumstrittene Vertragsklausel, die Netflix weitgehende Rechte an den Stimmen der Beteiligten einräumen würde.

Am 26. Januar machte die Synchronsprecherin Vivien Faber den Konflikt auf der Social-Media-Plattform Bluesky öffentlich. Faber, die vielen Anime-Fans durch ihre Arbeit an Serien wie »My Hero Academia« bekannt sein dürfte, erklärte hier: Netflix-Eigenproduktionen erscheinen zumindest demnächst ohne deutsche Synchronisation.

Konkret verlangt Netflix von den Sprechern die Erlaubnis, deren Aufnahmen als Trainingsmaterial für Künstliche Intelligenz zu nutzen. Mit dieser Technologie lassen sich täuschend echte Stimmenreplikate – sogenannte Deepfakes – erstellen. Die Sorge der Branche ist existentiell: Werden die Stimmen erst einmal digital geklont, könnten künftige Produktionen ohne die Mitwirkung und vor allem ohne die weitere Entlohnung der echten Sprecher vertont werden.

Konsequenzen für die Zuschauer

Die Auswirkungen dieses Boykotts könnten Netflix-Abonnenten schon bald direkt zu spüren bekommen. Wie die Synchronsprecherin Vivien Faber öffentlich machte, dürften neue Serien und Filme demnächst vermehrt ohne deutsche Tonspur erscheinen. Dies betrifft vor allem die „Netflix Originals“. Da der Boykott seit Anfang Januar 2026 läuft, wird es spannend zu sehen, welche der kommenden „Netflix Originals“ tatsächlich ohne deutsche Tonspur veröffentlicht werden. Erste Verzögerungen bei den Aufnahmen werden bereits gemeldet.

Parallel zum Streit um die Stimmen hat Netflix in seinem jüngsten Geschäftsbericht (Januar 2026) bestätigt, den Einsatz von KI massiv auszubauen – vor allem in den Bereichen Untertitel-Lokalisierung und Werbeformate. Dies unterstreicht die Entschlossenheit des Konzerns, die Technologie in die Produktionskette zu integrieren.

Verband fordert Mitspracherecht

Der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) stellt sich entschieden gegen diese Praxis. Er fordert, dass die Ablehnung der KI-Klausel keine negativen Folgen für die Beschäftigung der Sprecher haben darf. Man wehrt sich dagegen, dass die Preisgabe biometrischer Daten zum unfreiwilligen Branchenstandard wird.

Interessanterweise gibt es innerhalb der Branche unterschiedliche Ansichten. Während der VDS den Boykott anführt, zeigt sich der Bundesverband Schauspiel (BFFS), der den zugrunde liegenden Rahmenvertrag mit Netflix ausgehandelt hat, diplomatischer. Vertreter des BFFS argumentieren, dass KI eine Realität sei, die man nicht ignorieren könne, und dass man versuchen müsse, sie rechtlich einzuhegen, statt sie komplett abzulehnen.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert