(Top-)Saläre bei Schweizer Bühnen – Transparenz sieht anders aus
In der Schweiz herrscht bei Lohn- und Gagen in Kulturinstitutionen kaum Transparenz, obwohl die Kosten oft von der Allgemeinheit getragen werden. ENSEMBLE Magazin hat sich die zugänglichen Daten einmal angeschaut.
Unsere Redaktion hat mit Hilfe von KI die von den Häusern veröffentlichten Daten analysiert und ein ungefähres Bild der Lohnlanfschaft gezeichnet, wie subventionierte Häuser individuelle Arbeit entlöhnen. Wir vergleichen die Löhne der Leitungen und mit den Gagen der Ensembles.
1. Wo keine Angaben zu Leitungslöhnen gemacht werden
In den folgenden Häusern werden im öffentlichen Teil der Geschäftsberichte keine Angaben zur Vergütung der Geschäftsleitung oder der höchsten Einzelgehälter gemacht:
Opernhaus Zürich: Führt nur kumulierte Personalkosten auf.
Theater Basel: Keine Aufschlüsselung der GL-Kosten.
Luzerner Theater: Keine Erwähnung der Kadergehälter.
Grand Théâtre de Genève: Keine öffentlichen Gehaltsdaten für die Direktion.
Theater St. Gallen: Verweist lediglich auf die Einhaltung kantonaler Richtlinien ohne Zahlen zu nennen.
2. Was die Leitung verdient
| Institution | Transparenz-Level | Gehalt der Leitung (p.a.) | Details zur Quelle |
| Schauspielhaus Zürich | Sehr Hoch | ca. 284’000 – 325’000 CHF | Weist im Geschäftsbericht 2024/25 die höchste Einzelentschädigung (284k) und die GL-Gesamtsumme (846k) explizit aus. |
| Bühnen Bern | Hoch | ca. 267’000 – 300’000 CHF | Zahlen werden über den kantonalen Bericht der „Träger öffentlicher Aufgaben“ (Finanzdirektion Bern) publik gemacht. |
| Opernhaus Zürich | Mittel | 350’000 – 400’000 CHF (Schätzung) | Keine Einzelwerte im Bericht; Orientierung an Top-Kaderlöhnen der Stadt Zürich und internationalen Intendanten-Standards. |
| Theater Basel | Gering | 250’000 – 350’000 CHF (Schätzung) | Im Geschäftsbericht 2023/24 werden nur kumulierte Spartenkosten genannt; keine separate GL-Position. |
| Theater St. Gallen | Gering | 220’000 – 280’000 CHF (Schätzung) | Keine Publikation im Bericht der Genossenschaft; Orientierung an kantonalen Lohnklassen (SG) für Amtsleiter. |
| Luzerner Theater | Gering | 180’000 – 240’000 CHF (Schätzung) | Stiftungsbericht enthält keine Kaderlöhne; Schätzung basiert auf städtischen Besoldungsbändern für Departementsleiter. |
3. Was das Ensemble verdient
Die meisten festangestellten Ensemblemitglieder steigen nahe der Mindestgage ein. Diese wurde nach intensiven Verhandlungen mit SzeneSchweiz für die aktuelle Spielzeit an fast allen Häusern erhöht. Allerdings ist die Berechnung von Durchschnittslöhnen in Theaterensembles komplexer als bei der Geschäftsleitung, da die Gehaltsstruktur stark zwischen den Sparten (Schauspiel, Oper, Ballett) und der Berufserfahrung variiert.
| Institution | Mindestgage (Monat/Brutto) | Geschätzter Durchschnitt (Monat/Brutto) |
| Opernhaus Zürich | ~ 4’800 CHF | 5’500 – 7’000 CHF |
| Schauspielhaus Zürich | ~ 4’600 CHF | 5’200 – 6’500 CHF |
| Theater Basel | ~ 4’350 CHF | 5’100 – 5’500 CHF |
| Bühnen Bern | ~ 4’250 CHF | 4’500 – 5’500 CHF |
| Luzerner Theater | ~ 4’350 CHF | 4’500 – 5’500 CHF |
| Theater St. Gallen | ~ 4’350 CHF | 4’500 – 5’500 CHF |
3.1 Differenzierung nach Sparten
Ein „Durchschnitt“ über das ganze Haus ist oft trügerisch, da die Sparten sehr unterschiedlich entlohnt werden:
Opernsolisten: Haben oft die höchsten Gagen, wobei hier stark zwischen festen Ensemblemitgliedern und teuren internationalen Gästen unterschieden werden muss. Ein festes Mitglied verdient im Schnitt 6’000 – 8’500 CHF.
Schauspielensemble: Die Löhne sind hier oft sehr flach hierarchisiert. Erfahrene Schauspieler kommen selten über 7’500 CHF, der Grossteil liegt bei 5’000 – 5’500 CHF.
Ballett/Tanz: Traditionell die am schlechtesten bezahlte Sparte. Nach Protesten am Theater Basel wurde der Durchschnitt dort 2024 auf ca. 5’050 CHF (inkl. 13. Monatslohn) angehoben. Zuvor lag er bei prekären 4’300 CHF.
Orchester (Musiker): Diese unterliegen meist eigenen Gesamtarbeitsverträgen (GAV) und verdienen oft mehr als die Bühnenkünstler, im Schnitt zwischen 6’500 und 9’500 CHF (je nach Dienstjahren und Position).
4. Das Gefälle: Geschäftsleitung vs. Ensemble
Setzt man diese Werte in Relation zur Geschäftsleitung, ergibt sich folgendes Bild:
Ein Intendant verdient im Schnitt das 4- bis 6-Fache eines durchschnittlichen Ensemblemitglieds. Während die GL-Löhne (ca. 300’000 CHF) mit dem Top-Management der Verwaltung vergleichbar sind, bewegen sich die Ensemblelöhne (ca. 65’000 CHF) im Bereich von handwerklichen Grundberufen oder dem Detailhandel, trotz akademischer Ausbildung.
Wichtiger Hinweis: Die Zahlen für Ensembles beziehen sich auf Festanstellungen. Gastkünstler (die nur für eine Produktion kommen) tragen ein deutlich höheres Risiko, da sie nur für die Proben- und Vorstellungszeit bezahlt werden und ihre Sozialversicherungen oft selbst tragen müssen.

Nadine Nützi
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