Schiffbau: Kein Theater, keine Gäste, kein Geschäft

Das Schauspielhaus zeigt weniger Aufführungen im Schiffbau – das bringt die Gastronomie vor Ort in arge Bedrängnis.

Der Zürcher Schiffbau im  Kreis 5 war jahrelang das Symbol schlechthin für den Wandel vom grauen Industriequartier zum hippen Kultur-Hotspot. Doch das kulturelle Flaggschiff kämpft aktuell ums Überleben, wie der Tagesanzeiger berichtet. Die Kombination aus massiv gestiegenen Energiekosten und der allgemeinen Teuerung hat die finanziellen Reserven stark aufgebraucht. Das Ergebnis ist eine Schieflage, die den Verantwortlichen schlaflose Nächte bereitet.

Theater als Motor der Wirtschaft

Dass der Schiffbau heute nicht mehr der absolute «Place to Be» ist, hat auch mit dem Schauspielhaus zu tun. In den Nuller-Jahren fanden sehr viel mehr Aufführungen statt, in der Saison 06/07 gingen ganze 269 Vorstellungen über die Bühne. Seitdem zeigt die Kurve steil nach unten. In der letzten Saison (23/24) waren es gerade mal noch 93 Abende. Das bittere Fazit: An drei von vier Abenden blieben die Scheinwerfer aus und das Theaterpublikum zu Hause.

Seit der Pandemie ist im Schiffbau der Wurm drin – das alte Lebensgefühl ist einfach nicht zurückgekommen. „Wenn es hier still ist, fehlt uns das Schauspielhaus als Nachbar extrem“, meint Daniel Niedermann vom Jazzclub Moods gegenüber dem Tagesanzeiger. Dennis Mensen von der Venice Bar auf dem Dach wird sogar noch deutlicher: Er vergleicht den Schiffbau mit einer leeren Bahnhofshalle. Der Vibe? Komplett weg.

Das Problem ist, dass man von draussen kaum sieht, ob drin überhaupt etwas läuft. Wer durch den riesigen Haupteingang kommt und nur gähnende Leere im Foyer sieht, denkt oft, alles sei dicht – und macht sofort wieder kehrt. Das schadet dem Business von Moods, LaSalle und Venice Bar massiv.

Kein Geld für Aufführungen

Ob im Schiffbau überhaupt das Licht angeht, entscheidet letztlich das Budget des Schauspielhauses. Weil die Shows in der grossen Halle deutlich teurer sind als im Pfauen, wird hier als Erstes gespart, wenn die Kasse knapp ist. Immerhin: Unter Interimschef Ulrich Khuon wurde zuletzt wieder mehr Gas gegeben. Vor allem der Hit «Il Gattopardo» rettet gerade die Bilanz: Das Stück zieht die Massen an und sorgt für ausverkaufte Ränge. Davon profitiert auch das Restaurant LaSalle, das endlich wieder volle Tische hat – auch wenn das laut Betreiber Philipp Brunner in den letzten Jahren leider eher die Ausnahme war.

Wie geht es nun weiter? Aktuell wird händeringend nach einem Rettungsanker gesucht. Die Hoffnung ruht zum einen auf zusätzlichen Subventionen der Stadt Zürich, um die grössten Löcher zu stopfen. Gleichzeitig wird hinter den Kulissen über eine radikale Neuausrichtung nachgedacht, um wieder attraktiver für ein breiteres Publikum zu werden.

Auch interne Sparmassnahmen stehen auf der Tagesordnung, wobei man darauf achten muss, die künstlerische Qualität nicht komplett über Bord zu werfen. Fest steht: Der Schiffbau steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Ohne eine schnelle Finanzspritze oder ein frisches Konzept könnte an einem der wichtigsten Kulturstandorte der Stadt bald endgültig das Licht ausgehen.

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