Geht abstimmen, gopf!
„Ich schaue kein SRF, ich höre kein Radio! Warum soll mich das interessieren?“, höre ich von Leuten, die vielleicht nicht FÜR die Halbierungsinitiative stimmen, aber sich auch nicht zur Stimmabgabe aufraffen können. Ja, warum?
Einfache Antwort: Ich habe auch keine Kinder, bin aber trotzdem froh, wenn mit meinen Steuergeldern Schulen finanziert werden. Ich will in einer Gesellschaft mit gut gebildeten Menschen leben, also trage ich meinen Teil dazu bei.
Ich konsumiere selbst kaum SRF-Inhalte. Aber unabhängige Medien bieten den Boden für eine aufgeklärte, starke Demokratie. Wir leben in einer Zeit, in der Fakten immer stärker Meinungen weichen. Als funktionierende Demokratie brauchen wir Medien, die einen gewissen Standard erfüllen. „Aber wir haben doch die privaten Medienhäuser, die auch Qualitätsjournalismus bieten!“ werden einige Befürworter der Halbierungsinitiative jetzt einwerfen. Dazu vielleicht ein Zitat aus einem Meinungsbeitrag von Andreas Kunz, Mitglied der Chefredaktion des Tagesanzeigers:
„Heute ist die Vielfalt gross wie nie: Private Medien aus dem In- und Ausland sind billiger und zugänglicher denn je, sie informieren schneller, breiter, tiefer und origineller als die SRG. Spotify streamt personalisierte Musik und Podcasts, Youtube mehr Kultur und Randsportarten, als die SRG in ihrer ganzen Geschichte ausgestrahlt hat. Auf Instagram wenden sich Stars direkt an ihre Fans, bei Tiktok folgen Trump und Badran auf Katzen und Quantenphysik. X und andere Plattformen liefern allzeit News und Debatten, bei denen – urdemokratisch – alle mitreden können.“
Kurz: Fakenews-Schleudern, KI-Brunz und von Milliardären kontrollierte Propaganda sollen die Leistung von Schweizer Journalist*innen ersetzen. Und das ist nicht eine beliebige Stammtisch-Aussage, das ist die Meinung des ehemaligen Blattmachers der rechtslibertären Sonntagszeitung. Er denkt, wir sollten anstatt der Tagesschau Elon Musks Schrott konsumieren, wir sollten Grok, ChatGPT und Heiri G. auf Facebook vertrauen, anstatt Berichterstattung mit verifizierten Fachpersonen. Und natürlich bezahlen wir mit unseren Daten an US-amerikanische Überwachungsfirmen.
Verständlicherweise wollen die privaten Schweizer Medien die SRG geschwächt sehen, schliesslich ist das die lokale Konkurrenz. Aber auch hier geht die Rechnung nicht auf. Wenn man dem SRF das Geld kürzt, muss das Programm stärker auf Werbung ausgelegt werden, damit sich die Inhalte bezahlen lassen. Das bedeutet, das SRF wird zur grösseren Konkurrenz für die Privaten. Der Kuchen wird kleiner.
Weiter: Ausländische Medien werden ja ganz sicher über lokale Kultur berichten. Ich seh’s schon: CNN berichtet vom Schwingerfest in Uri. FoxNews live vom SVP-Parteitag im Albisgüetli. Hornussen auf Sports Live, mit Halftime Show von Patent Ochsner.
Konzerte von Schweizer Bands? Würden abnehmen, weil die Talentförderung des SRF und die Verbreitung von Schweizer Künstler*innen nicht mehr stattfinden würden. Damit macht man kein Geld. Viele eurer Schweizer Lieblingsmusiker*Innen gäbe es ohne das Geld des SRF nicht. Sie hätten andere Berufswege wählen müssen, oder sie würden Musik machen, die nie jemand hören würde. Das Gleiche gilt für Schauspieler*innen.
„Aber die Serafe-Gebühr ist so teuer!“
Wirklich? Die Halbierungsinitiative spart dir 37 Rappen pro Tag. Das sind 2 Stimorol-Kaugumis. Nicht Packungen, einzelne Kaugummis. Das ist ein Papiersack beim Einkaufen, das ist ein Löffel Schaum von deinem Cappuccino. Ist es das wert?
Also, wenn ihr echten Journalismus Fakenews und Clickbait vorzieht, geht abstimmen. Wenn ihr Schweizer Musik hört, geht abstimmen. Wenn ihr Schweizer Sport liebt, geht abstimmen. Wenn euch das alles egal ist, geht abstimmen, damit eure Kinder die Wahl haben, Schweizer Sport, Schweizer Musiker*innen und echte Nachrichten zu erleben.
Los.


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