«Diesen Missstand dürfen wir nicht länger hinnehmen!»

Die Mehrheit der Schweizer darstellende Künstler*innen kann trotz langer Ausbildung und intensiven Arbeitszeiten von ihrem Beruf nicht leben. Salva Leutenegger, Geschäftsführerin SzeneSchweiz, ist wütend und sucht trotzdem nach einvernehmlichen Lösungen.

Für ENSEMBLE interviewte Reda El Arbi

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Frau Leutenegger, in den USA streiken die Schauspieler*innen. Laut einer aktuellen Umfrage von SzeneSchweiz geht es den Darsteller*innen in der Schweiz finanziell ebenfalls nicht rosig. Was hat die Umfrage zutage gefördert?

Unsere Lohnumfrage, die wir an alle unsere freischaffenden wie auch festangestellten Mitglieder geschickt hatten, bestätigt unsere Erfahrungswerte. Darstellende Künstler*innen hätten auch hier Grund zu streiken, auch wenn hier – anders als in den USA – die Kulturförderung eine staatliche und kantonale Aufgabe ist. Fast die Hälfte der freischaffenden** Profis bewegt sich im Lohnband zwischen CHF 18’000 – 25’000 jährlich.

Das ist für ein reiches Land mehr als beschämend. Bei den Festangestellten an den subventionierten Häusern verdient die Hälfte CHF 51’000 – 70’000. Die Freischaffenden geben ausserdem zu 86% an, dass sie fürs Überleben sogenannte Brotjobs brauchen. Hochqualifizierte (die allermeisten mit Masterabschluss) müssen in der Gastronomie, im Verkauf etc. arbeiten, damit sie ihre Rechnungen zahlen können. Das ist Zeit, die in ihrem kreativen Beruf fehlt.

**Freischaffende darstellende Künstler*innen arbeiten im Arbeitsverhältnis, sie werden für künstlerische Produktionen befristet angestellt.

Kann man Ursachen dafür erkennen?

Überrascht haben uns die Angaben zum Anteil der unbezahlten Arbeit in der darstellenden Kunst. Die Hälfte der freischaffenden Schauspieler*innen, Tänzer*innen und Sänger*innen geben an, zwischen 30 und 50% unbezahlte Vor- und Nachbearbeitungszeit zu haben. Man muss kein Zahlenakrobat sein, um zu erkennen, dass Künstler*innen unendlich viel arbeiten und sehr wenig verdienen.

SzeneSchweiz hat mit dem Sozialpartner SBV (Schweizerischer Bühnenverband) einen Gesamtarbeitsvertrag ausgehandelt. Was sind da die Grundlagen und wo gibt es Spielraum oder Verbesserungspotential?

An den Häusern mit Gesamtarbeitsvertrag (GAV) haben Künstler*innen soziale Sicherheit, lange Kündigungsfristen und ein regelmässiges Einkommen. Auch die Freischaffenden, die für Produktionen beigezogen werden, arbeiten befristet unter dem Schutz des GAV.

Die Sozialpartner SBV (Schweizerischer Bühnenverband) und SzeneSchweiz treffen sich jährlich, um paritätisch die Mindestgagen festzulegen. Leider bleiben zu viele Künstler*innen zu lange ohne nennenswerte Lohnkarriere auf der Mindestgage sitzen. Hier sehen wir einen dringenden Handlungsbedarf, den wir zwar bereits besprochen haben, aber wir möchten im Rahmen der Sozialpartnerschaft eine tragende Rolle spielen.

Wie unterscheidet sich die Schweizer Branche von zB USA oder Europa?

Natürlich gibt es europäische Länder, wo Künstler*innen noch mehr leiden als unsere. Während z.B. in den USA Kulturförderung privatisiert ist, hat sich die Schweiz die Kulturförderung sozusagen auf die Fahne geschrieben. Die Filmförderung wird fast ausschliesslich vom Bund gefördert, die GAV-Theaterhäuser haben Subventionsverträge mit Städten resp. Kantonen.

Auch Stiftungen unterstützen Kulturprojekte, u.a. aus der freien Szene. Das viersprachige Land hat eine ganz besondere Verantwortung, die kulturelle Vielfalt der Sprachregionen zu fördern und zu schützen, weshalb Vergleiche mit anderen Ländern immer etwas schwierig sind.

«… von öffentlichen Geldern und vom zahlenden Publikum abhängig»

Am Theater Basel kam es kürzlich zu einer Protestaktion der Unia. SzeneSchweiz war darüber nicht erfreut. Können Sie uns ausführen, warum die Ensembles von Kampfmassnahmen absehen sollten?

Gerade weil die Kultur in der Schweiz institutionalisiert gefördert wird, ist es schwierig, den direkten Arbeitnehmer vs. Arbeitgeber-Kampf zu führen. Die Arbeitgeber sind Kulturinstitutionen, die von öffentlichen Geldern und vom zahlenden Publikum abhängig sind. Die Protestaktionen auf der Bühne des Theater Basel haben zwar kurzfristig höhere Löhne zur Folge gehabt, aber die mittel- bis langfristigen Konsequenzen könnten weniger positiv sein. Das Publikum war zum Teil irritiert und überfordert.

Die Aktionen haben auch rechte, nicht immer kulturfreundliche Parteien auf den Plan gerufen. Unser Land ist bürgerlich bis rechtsbürgerlich regiert, Streiks und Arbeitnehmerproteste sind für solche Kreise des Teufels. Weil SzeneSchweiz Kürzungen von Fördermitteln nicht riskieren will, ziehen wir den sozialpartnerschaftlichen Dialog und Verhandlungen den Streiks vor.

Laut der Umfrage gibt es den Gender-Gap auch bei Darsteller*innen. Können Sie uns etwas über die Gründe dafür sagen?

Ja, auch in der darstellenden Kunst gibt es einen Gender-Gap – vor allem bei den Freischaffenden. Er ist zwar nicht so gross wie in anderen Branchen, aber im mittleren Alterssegment von 30-49 Jahren verdienen 5% Prozent mehr Männer als Frauen CHF 70’000 und mehr. Bei der Altersgruppe 50-65 Jahren liegt der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen zwischen 5 bis 10%.

In der Schweiz hängt die Kulturfinanzierung sehr von Subventionen ab. Reichen die Gelder nicht oder werden sie falsch verteilt, wenn ganz klar ein grosser Teil der Künstler*innen nicht vom Einkommen leben kann?

Natürlich könnten die Subventionen grundsätzlich höher sein. Aber ich glaube nicht, dass sich an der Prioritätensetzung etwas ändern würde. Das heisst, dass die Künstler*innen stets am Ende der Nahrungskette sind.

Diesen Missstand dürfen wir nicht länger hinnehmen, die künstlerische Arbeit muss unbedingt aufgewertet und im Budget priorisiert werden. Ein sehr aufwändiges und teures Bühnenbild ist sicher schön, aber letztlich sind die Menschen die tragenden Säulen der darstellenden Kunst.

Was sind die nächsten Schritte von SzeneSchweiz, um die Situation in der Branche zu verbessern?

Wir wollen im Bereich der Subventionen die Kulturschaffenden, Theaterhäuser, Veranstalter etc. stärker unterstützen. Ein erster Schritt wird sein, unseren Sozialpartner zu überzeugen, dass SzeneSchweiz bei den Subventionsverträgen mitwirken soll.

«Non possiamo più tollerare questo deplorevole stato di cose!»

La maggior parte degli artisti svizzeri non riesce a vivere della propria professione nonostante la lunga formazione e gli intensi orari di lavoro. Salva Leutenegger, direttrice di ScenaSvizzera, è furiosa ma sta ancora cercando soluzioni amichevoli.

Per ENSEMBLE, ha intervistato Reda El Arbi / Tradotto dalla versione originale tedesca

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Signora Leutenegger, negli Stati Uniti gli attori e le attrici sono in sciopero. Secondo un recente sondaggio di ScenaSvizzera, anche in Svizzera gli attori non se la passano bene dal punto di vista economico. Che cosa ha rivelato il sondaggio?

Il nostro sondaggio sui salari, che abbiamo inviato a tutti i nostri membri freelance e dipendenti fissi , conferma la nostra esperienza. Anche gli artisti dello spettacolo avrebbero motivo di scioperare, anche se qui – a differenza degli Stati Uniti – il finanziamento della cultura è compito dello Stato e dei Cantoni. Quasi la metà dei liberi professionisti** è pagata tra i 18.000 e i 25.000 franchi all’anno.

Questo è più che vergognoso per un Paese ricco. La metà dei dipendenti fissi dei teatri sovvenzionati guadagna 51.000-70.000 franchi. L’86% dei freelance dichiara inoltre di aver bisogno di un lavoro secondario per sopravvivere. Le persone altamente qualificate (la maggior parte con un master) devono lavorare nella ristorazione, nelle vendite, ecc. per poter pagare le bollette. Si tratta di tempo che manca alla loro professione creativa.

**Gli artisti freelance lavorano in un rapporto di lavoro, sono impiegati per produzioni artistiche su base temporanea.

Si possono individuare le cause di questo fenomeno?

Siamo rimasti sorpresi dai dati sulla percentuale di lavoro non retribuito nelle arti dello spettacolo. La metà degli attori, dei ballerini e dei cantanti freelance dichiara di avere tra il 30 e il 50% di tempo pre e post-produzione non retribuito. Non c’è bisogno di essere un esperto di numeri per capire che gli artisti lavorano all’infinito e guadagnano molto poco.

ScenaSvizzera ha negoziato un contratto collettivo di lavoro con il partner sociale SBV (Unione dei Teatri Svizzeri). Quali sono le basi e dove c’è spazio di manovra o potenziale di miglioramento?

Nei teatri con contratto collettivo di lavoro (CCL), gli artisti godono di sicurezza sociale, ci sono lunghi periodi di preavviso per disdire i contratti e ricevono un reddito regolare. Anche i freelance che vengono chiamati per le produzioni, lavorano per un periodo limitato sotto la protezione del CCL.

I partner sociali SBV (Unione dei Teatri Svizzeri) e ScenaSvizzera si incontrano ogni anno per fissare i salari minimi su base paritaria. Purtroppo, troppi artisti si fermano al salario minimo per troppo tempo senza fare carriera. Vediamo l’urgente necessità di un intervento, di cui abbiamo già discusso, ma vorremmo svolgere un ruolo di primo piano nell’ambito del partenariato sociale.

In che modo si differenzia il settore svizzero, ad esempio, da quello statunitense o europeo?

Naturalmente, ci sono Paesi europei in cui gli artisti soffrono ancora più dei nostri. Mentre negli Stati Uniti, ad esempio, la promozione culturale è privatizzata, la Svizzera ha sposato la causa della promozione della cultura, per così dire. La promozione cinematografica è finanziata quasi esclusivamente dalla Confederazione, i Teatri sotto il CCL  hanno contratti di sovvenzione con città e cantoni.

Anche  fondazioni sostengono  progetti culturali, tra cui dalla scena indipendente. Il Paese quadrilingue ha una responsabilità molto particolare nel promuovere e proteggere la diversità culturale delle regioni linguistiche, motivo per cui i confronti con altri Paesi sono sempre un po‘ difficili.

„… dipendente dai fondi pubblici e dal pubblico pagante“.

Recentemente c’è stata un’azione di protesta di Unia al teatro di Basilea.  ScenaSvizzera non ne è stata contenta. Può spiegare perché gli ensemble dovrebbero astenersi dalle misure di lotta?

Proprio perché la cultura in Svizzera è sostenuta in modo istituzionalizzato, è difficile condurre una battaglia diretta tra dipendenti e datori di lavoro. I datori di lavoro sono le istituzioni culturali che dipendono dai fondi pubblici e dal pubblico pagante. Le azioni di protesta sul palcoscenico del Theater Basel possono aver portato a un aumento dei salari nel breve periodo, ma le conseguenze a medio e lungo termine potrebbero essere meno positive. Il pubblico era in parte irritato e sopraffatto.

Le azioni hanno anche portato sulla scena partiti di destra, non sempre favorevoli alla cultura. Il nostro Paese è governato da partiti borghesi o di destra, gli scioperi e le proteste dei lavoratori non sono graditi  in questi ambienti. Poiché ScenaSvizzera non vuole rischiare tagli ai finanziamenti, preferiamo il dialogo sociale e i negoziati agli scioperi.

Secondo l’indagine, il divario di genere esiste anche tra gli artisti. Può dirci qualcosa sulle ragioni di questo fenomeno?

Sì, esiste anche un divario di genere nelle arti dello spettacolo, soprattutto tra i freelance. Non è così grande come in altri settori, ma nella fascia di età media tra i 30 e i 49 anni, il 5% in più di uomini rispetto alle donne guadagna 70.000 franchi svizzeri e oltre. Nella fascia di età 50-65 anni, la differenza di reddito tra uomini e donne è compresa tra il 5 e il 10%.

In Svizzera, il finanziamento della cultura dipende molto dalle sovvenzioni. Il denaro non è sufficiente o è distribuito in modo sbagliato quando è evidente che gran parte degli artisti non può vivere con il proprio reddito?

Naturalmente, in linea di principio, i sussidi potrebbero essere più alti. Ma non credo che le priorità cambierebbero. Ciò significa che gli artisti sono sempre in fondo alla catena alimentare.

Non possiamo più accettare questo stato di cose deplorevole: è assolutamente necessario che il lavoro artistico venga migliorato e inserito nel bilancio come priorità. Una scenografia molto elaborata e costosa è certamente bella, ma alla fine le persone sono i pilastri portanti delle arti dello spettacolo.

Quali sono i prossimi passi di ScenaSvizzera per migliorare la situazione del settore?

Nell’ambito delle sovvenzioni, vogliamo sostenere maggiormente gli operatori culturali, i teatri, gli organizzatori di eventi, ecc. Un primo passo sarà quello di convincere il nostro partner sociale a coinvolgere ScenaSvizzera nei contratti di sovvenzione.

«Nous ne pouvons plus tolérer cette situation inacceptable!»

La majorité des artistes suisses du spectacle ne peuvent pas vivre de leur métier malgré une longue formation et des horaires de travail intenses. Salva Leutenegger, directrice de ScèneSuisse, est en colère et cherche malgré tout des solutions à l’amiable.

Interview de Reda El Arbi pour ENSEMBLE / Traduit de la version originale allemande

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Madame Leutenegger, aux États-Unis, les acteurs·trices sont en grève. Selon un récent sondage de ScèneSuisse, la situation financière des artistes du spectacle en Suisse n’est pas brillante non plus. Qu’a révélé ce sondage ?

Notre enquête sur les salaires, que nous avons envoyée à tous nos membres, employés permanents et intermittents, confirme nos constatations. En Suisse aussi, les artistes du spectacle auraient des raisons de faire grève, même si, contrairement aux États-Unis, l’encouragement de la culture est une tâche de l’État et des cantons. Près de la moitié des professionnels intermittents* évoluent dans une fourchette de salaire comprise entre 18’000 et 25’000 CHF par an.

C’est une situation des plus honteuses pour un pays riche. Parmi les employé·e·s fixes des maisons subventionnées, la moitié gagne entre 51’000 et 70’000 CHF. Les intermittent·e·s déclarent en outre à 86% avoir besoin d’avoir un travail alimentaire pour survivre. Des personnes hautement qualifiées (la grande majorité ayant un master) doivent travailler dans la restauration, la vente, etc. pour pouvoir payer leurs factures. C’est du temps qui manque dans leur activité créative.

*Les artistes du spectacle intermittents travaillent sous statut de salarié, ils sont engagés pour une durée déterminée pour des productions artistiques.

Peut-on en identifier les causes ?
Nous avons été surpris par les données relatives à la part de travail non rémunéré dans les arts du spectacle. La moitié des comédiens·ennes, danseurs·euses et chanteurs·euses indépendant·e·s indiquent avoir entre 30 et 50% de temps de préparation et de finition non rémunéré. Il n’est pas nécessaire d’être un acrobate des chiffres pour se rendre compte que les artistes travaillent sans compter et gagnent très peu.

ScèneSuisse a négocié une convention collective de travail avec son partenaire social, l’UTS (Union des théâtres suisses). Quelles en sont les bases et où y a-t-il une marge de manœuvre ou un potentiel d’amélioration ?
Dans les maisons dotées d’une convention collective de travail (CCT), les artistes* bénéficient d’une sécurité sociale, de longs délais de préavis et d’un revenu régulier. Les intermittents auxquels il est fait appel pour des productions travaillent également pour une durée limitée sous la protection de la CCT.

Les partenaires sociaux UTS (Union des Théâtres Suisses) et ScèneSuisse se rencontrent chaque année pour fixer de manière paritaire les salaires minimaux. Malheureusement, trop d’artistes restent trop longtemps bloqués sur le salaire minimum sans faire de carrière salariale significative. Nous estimons qu’il est urgent d’agir dans ce domaine, et même si nous en avons déjà discuté, nous souhaitons jouer un rôle prépondérant dans le cadre du partenariat social.

En quoi la branche suisse se distingue-t-elle de celle des États-Unis ou de l’Europe, par exemple ?
Bien sûr, il y a des pays européens où les artistes souffrent encore plus que chez nous. Alors qu’aux États-Unis, par exemple, l’encouragement de la culture est privatisé, la Suisse a pour ainsi dire fait de l’encouragement de la culture son cheval de bataille. La promotion du cinéma est presque exclusivement soutenue par la Confédération, les théâtres CCT ont des contrats de subvention avec les villes ou les cantons.

Des fondations soutiennent également des projets culturels, entre autres de la scène indépendante. Le pays quadrilingue a la responsabilité toute particulière de promouvoir et de protéger la diversité culturelle des régions linguistiques, raison pour laquelle la comparaison avec d’autres pays est toujours un peu difficile.

… dépendant de l’argent public et du public payant

Le Théâtre de Bâle a récemment été le cadre d’une action de protestation d’Unia. ScèneSuisse ne s’en est pas réjoui. Pouvez-vous nous expliquer pourquoi les ensembles devraient s’abstenir de toute mesure de lutte ?

C’est justement parce que la culture est encouragée de manière institutionnalisée en Suisse qu’il est difficile de mener une lutte directe entre employés et employeurs. Les employeurs sont des institutions culturelles qui dépendent de l’argent public et du public payant. Les actions de protestation sur la scène du Théâtre de Bâle ont certes entraîné une hausse des salaires à court terme, mais les conséquences à moyen et long terme pourraient être moins positives. Une part du public était irritée et dépassée par les événements.

Ces actions ont également fait réagir les partis de droite, pas toujours favorables à la culture. Notre pays est gouverné par le centre droit et la droite conservatrice, les grèves et les protestations des travailleurs sont l’œuvre du diable pour ces milieux. Comme ScèneSuisse ne veut pas risquer des coupes dans les subventions, nous préférons le dialogue et les négociations entre partenaires sociaux aux grèves.

Selon l’enquête, l’écart entre les sexes existe aussi chez les acteurs. Pouvez-vous nous en dire un peu plus sur les raisons de ce phénomène ?
Oui, il y a aussi un écart entre les sexes dans les arts du spectacle – surtout chez les intermittents. Il n’est certes pas aussi important que dans d’autres secteurs, mais dans la tranche d’âge moyenne de 30 à 49 ans, les hommes sont 5% plus nombreux que les femmes à gagner 70 000 CHF et plus. Dans la tranche d’âge 50-65 ans, la différence de revenus entre hommes et femmes se situe entre 5 et 10%.

En Suisse, le financement de la culture dépend beaucoup des subventions. Les fonds ne suffisent-ils pas ou sont-ils mal répartis, puisqu’il est clair qu’une grande partie des artistes ne peuvent pas vivre de leurs revenus ?
Bien sûr, les subventions pourraient en principe être plus élevées. Mais je ne pense pas que cela changerait quoi que ce soit à la définition des priorités. Les artistes seront toujours en bas de la chaîne alimentaire.

Nous ne pouvons plus accepter cette situation, le travail artistique doit absolument être revalorisé et priorisé dans le budget. Un décor très élaboré et coûteux est certes beau, mais en fin de compte, ce sont les êtres humains qui sont les piliers des arts de la scène.

Quelles sont les prochaines étapes de ScèneSuisse pour améliorer la situation dans la branche ?
Dans le domaine des subventions, nous voulons soutenir davantage les acteurs culturels, les théâtres, les organisateurs, etc. Une première étape consistera à convaincre notre partenaire social que Scène Suisse doit participer aux contrats de subventionnement.

Lohnumfrage: «Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel»

Die Lohnumfrage von SzeneSchweiz bringt Erschütterndes ans Licht: Trotz langer Ausbildung, intensiver Arbeitszeit und hohem sozialen Verzicht reicht die Entlöhnung für viele nicht zum Leben. Eine Familiengründung gilt als Armutsrisiko.

«Ihr macht das ja, weil es euch Spass macht!», müssen sich viele darstellende Profi-Künstler*innen anhören, wenn sie sich um ein besseres Arbeitsverhältnis bemühen. Diese Sichtweise ist nicht nur romantisierend, sie ist, angesichts der anstrengenden Arbeit, der langen Ausbildung und der herrschenden Konkurrenz, ein Hohn.

86 Prozent der Freischaffenden können nicht von ihrem Einkommen leben und sind auf einen Brotjob nebenbei angewiesen, wie die Umfrage 2023 von SzeneSchweiz zeigt.  Bei den Festangestellten geben 55 Prozent an, damit ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten zu können. Bei professionellen Darsteller*innen und Tänzer*innen in der Schweiz ist also prekäre Arbeit, die nicht zum Leben reicht, die Regel, nicht die Ausnahme.

Bereits 2021 ergab eine Umfrage des Schwesternverbandes SSVF (Schweizer Syndikat Film und Video, der Verband der Schauspieler*innen), dass das Armutsrisiko unter ihren Mitgliedern im Vergleich zur restlichen Bevölkerung um einiges höher ist. Bei der aktuellen SzeneSchweiz-Umfrage stellt sich die Situation noch angespannter dar.

 

Der Anteil unbezahlter Arbeit ist höher als in jedem anderen Beruf.

Lohnverhandlungen? Zu gefährlich.

Der normale Arbeitnehmer würde wohl davon ausgehen, dass man einen Job einfach nicht annimmt, wenn das Salär nicht zum Leben reicht. Oder man würde einfach mehr Lohn fordern. Darstellende Künstler*innen sind aber mit ganz anderen Voraussetzungen konfrontiert: Nach einem drei- bis vierjährigen Studium finden sich die Künstler*innen in einem hoch kompetetiven Arbeitsumfeld wieder, das ihnen kaum Grundlagen zum Überleben bietet.

So fürchten sich bei den Festangestellten knapp 60 Prozent vor dem Schritt zu einer höheren Lohnforderung, bei den Freischaffenden sind es sogar 74 Prozent. In der Branche herrscht eine «Friss oder stirb»-Atmosphäre, da Produktionen und Bühnen einfach auf andere Künstler*innen ausweichen können. Hier spielt nicht der Markt, hier spielt die Willkür.

Und mit Alter und Erfahrung wird es nicht besser. Zwar hat SzeneSchweiz mit dem Sozialpartner Schweizer Bühnenverband SBV einen Mindestlohn aushandeln können, aber die Progression per Anstellungsjahr und Alter ist völlig willkürlich den einzelnen Häusern überlassen und gilt nur für die Bühnen und Produktionen, die Mitglied des Bühnenverbandes sind.

Und hier sind die Frauen zusätzlich benachteiligt: Laut Befragten haben 54 Prozent der (festangestellten) Frauen zwischen 2018 und 2022  keine Lohnerhöhung bekommen. Bei den Männern sind es immerhin noch 50 Prozent.

Familiengründung als Armutsrisiko

Ab einem gewissen Alter stellt sich die Familienfrage. Für viele Frauen ist das der Punkt, an dem sie aus dem Beruf aussteigen müssen. Reicht die Bezahlung schon für den normalen Lebensunterhalt oft nicht aus, wiegt bei einer Familiengründung die terminliche Belastung und die geleistete unbezahlte Arbeit (Texte lernen, Einarbeitung, Fitness) noch schwerer.

Das Zeitbudget wird ausgereizt, aber nicht finanziell abgegolten. In den darstellenden Künsten sind Kinder ein Armutsrisiko. So etwas kennt man sonst nur aus weniger entwickelten Ländern.

Faire Verteilung von Geldern

Viele Künstler*innen in der Branche haben genug vor der ständigen Angst, dass die nächste Rechnung den Schritt in die Armut bedeuten könnte. In den USA streikt die Schauspieler-Gewerkschaft SAG-AFTRA, was Tänzer*innen und Schauspieler*innen ermutigt, sich auch für bessere Arbeitsbedingungen, und damit einhergehende Bezahlung, zu engagieren. Nur ist die Situation in der Schweiz viel komplizierter. Die Bühnen und die Filmproduzenten sind nicht nur Sozialpartner bei den Lohnverhandlungen, sie sind auch gemeinsam abhängig von Subventionen und Geldern. Egal ob von Stadt, Kanton oder Bund.

Da liegt das Problem. Und hier kann SzeneSchweiz auch ansetzen: Die Bühnen und Produktionen können die Subventionen nach Erhalt freihändig inhouse verteilen. Das führt zu absurden Situationen, in denen grosse Regisseure und Namen die Hälfte der erhaltenen (Lohn-)Gelder einsacken, während das Ensemble, die Crew nicht genug hat, um sich ein Leben zu leisten. Dies ist möglich, weil die Politik keine Transparenz für den Einsatz der erhaltenen Unterstützung einfordert, und weil die Künster*innen, respektive deren Vertreterin SzeneSchweiz, keinen Sitz am Verhandlungstisch haben.

Wir fordern Teilnahme an den Subventionsverhandlungen, Mitsprache bei der Verteilung von Geldern und, zuallererst, Transparenz beim Einsatz der Gelder aus öffentlicher Hand. Dann kann der Kuchen neu verteilt werden.

Hier zum PDF-Download: Umfrage Löhne und Gagen in der Schweiz 2023_(28_7_23) 

AI, VR, Motion Capture – quo vadis, Schauspielkunst?

Corinne Soland führt uns mit der neuen, regelmässigen Kolumne in die Zukunft der darstellenden Künste – vorbei an Ängsten, Kämpfen, Abenteuern und vielen, vielen neuen Möglichkeiten.

Ich sitze gerade auf dem Boden in der Eingangshalle des Los Angeles Convention Center. Hier bin ich nahe an einer Steckdose. Mein Computer hatte keinen Strom mehr und ich wollte unbedingt noch an dieser Kolumne schreiben. “Die Zukunft des Schauspiels” – was könnte das sein? Ich spiele als darstellende Person abwechselnd in Theater, Film und neuen Medien. Games zum Beispiel oder Virtual Reality.

Um mich herum findet die SIGGRAPH, die grösste Konferenz für Computergrafik, statt. Was das mit Schauspiel zu tun  hat? Hier knüpfe ich neue Kontakte zu Motion Capture Studios, mit denen ich gerne zusammenarbeiten möchte. Die Konferenz existiert seit 1974, es gibt Präsentationen zu bestehenden Technologien und Einblicke in zukünftige Ansätze zur Visualisierung von Geschichten mithilfe von Computern.

Werden wir bald durch künstliche Intelligenz ersetzt?

Das klingt jetzt alles etwas nerdig – der Grund, weshalb ich mich in diese Vorträge setze, ist folgender: Mich beschäftigt, was mit unserer Branche passiert. Welchen Stellenwert haben Schauspielende in zukünftigen audiovisuellen Produkten? Werden wir bald durch Künstliche Intelligenz ersetzt? Werden unsere Stimmen kopiert und verlieren wir dann vielleicht auch unsere Sprech-Jobs? Verlieren wir die Rechte an unserem Aussehen, unseren Bewegungen, unserer Identität?

Diese Fragen treiben aktuell hunderte streikende Schauspielende in Hollywood um. Ihr seht sie auf euren Social Media Profilen, wie sie ihre Schilder hochhalten und protestieren. Sie stehen hier in LA jeden Tag vor den grossen Studios, beharren seit mehr als 100 Tagen darauf,  für die digitale Weiterverwendung ihrer biometrischen Daten fair entschädigt zu werden.

 

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Und wir verstehen sie, wir sind wütend mit ihnen, wir denken: Genau! Wieso verdiene ich knapp 2000 Franken an einem Scan von mir, den irgendeine Firma dann ohne Buyout für den Rest meines Lebens weiterverwenden kann? Ich rede hier von den Grossen, von Disney, Netflix, Universal, Meta. Die kleinen Studios, a24 zum Beispiel, haben schnell auf Interimslösungen mit dem Berufsverband SAG-AFTRA eingewilligt. Auch, weil sie sich einen Drehstopp nicht leisten können. 

KI ist nicht das Problem. Ohne Regulierungen jedoch verstärkt sie Ungerechtigkeiten.

Hier an der Konferenz haben die Visual Effects-Menschen eines der grössten kommerziellen Unternehmen – Marvel – angekündigt, dass sie einen Verband gründen wollen. Die Menschen, die mit unseren Gesichtern, unseren Daten und unseren Stimmen direkt arbeiten, erleben die Auswirkungen von weiterentwickelter Technologie meistens noch vor uns Spielenden. Ihre Jobs sind auch in Gefahr, wenn Studios die Effekte von einer KI machen lassen. Auch sie reagieren nun darauf – mit dem Willen, für ihre Rechte einzustehen. Den Wert ihrer Arbeit soll anerkannt und anständig entlohnt werden.

Auf den Panels wird gesagt: “Im Grunde genommen ist Künstliche Intelligenz als Tool nur ein Problem, weil die Effizienz im Vordergrund steht.” Mit KI soll nämlich alles noch schneller gehen, mit weniger Schlaufen, die Kosten verursachen. Es ist also nicht die Technologie selbst, die den Künstler*innen als Erstes Sorgen macht, sondern wie sie angewandt wird, von wem und zu welchem Zweck. KI ist nicht das Problem. Ohne Regulierungen jedoch verstärkt sie Ungerechtigkeiten.

Deshalb bin ich an dieser Konferenz: Um zu verstehen.

Ich persönlich informiere mich gerne, wenn etwas auf mich zukommt, was mir Angst macht. Wenn ich es von näherem betrachte, ist es meistens nicht so gruselig. (Oder noch viel gruseliger, zugegeben.) Auf jeden Fall kann ich mir ein Bild machen und verstehe vielleicht eher, worum es eigentlich geht. Dann kann ich Verantwortung übernehmen für meine Ängste und Sorgen. Deshalb bin ich an dieser Konferenz – um zu verstehen. Was ich bisher herausgefunden habe ist, dass alle – auch die Grafiker*innen und Techniker*innen – Regulierungen möchten.

Erste Bewegungen in diese Richtung gibt es international und auch in der Schweiz. Die Vereinigung professioneller Sprecherinnen und Sprecher der Schweiz (VPS-ASP) hat in Zusammenarbeit mit der UVA (United Voice Artists) ein Manifest herausgegeben. Damit wollen sie unter anderem eng mit Entscheidungsträger*innen zusammenzuarbeiten, um Vorschriften zu erlassen, die den Einsatz von KI-Technologien mit der menschlichen Kreativität sowie den Datenschutzbestimmungen und den Rechten der Künstler*innen, in Einklang bringen.

Alle Forderungen sind ausformuliert einsehbar auf der VPS Website www.vps-asp.ch/about/news > AI Manifest. Diese Bestrebungen sind unbedingt unterstützenswert. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir Darstellenden auf der ganz eigenen, persönlichen Ebene Verantwortung übernehmen: unsere neuen Verträge ganz genau lesen, uns über KI informieren (wie funktioniert denn eine synthetische Stimme? dazu bald mehr) und im gegenseitigen Austausch bleiben über Erfahrungen aus dem Berufsalltag.

Tätigkeit immer wieder neu erfinden!

Die Zukunft des Schauspiels! Sie ist also da. Oder fängt sie gerade erst an – morgen? Jä nei – haben wir sie vielleicht bereits verpasst! Darstellende Künstler*innen haben seit jeher ihre Existenz und Tätigkeit immer wieder neu erfunden! Spielende stellen ihre Zeit, ihre menschliche Wärme, ihre dringlichen Anliegen, Sorgen, Ängste, Zweifel, Nöte, Beschwingtheit, ihre unendliche Tiefe des Glücks über ein Wort oder einen perfekt beleuchteten Augenblick dem Publikum zur Verfügung.

Sie teilen, was sie haben und werden immer noch unterbezahlt – vielleicht ändert sich das in Zukunft? Noch immer kämpfen Darsteller*innen dafür, dass ihr Beruf und die Familie irgendwann vereinbar werden. Mit Bangen blicken manche Spielende ihrer Rente und einer eventuellen Altersarmut entgegen. Ich möchte mich mit euch unterhalten: Green Producing, Machtverhältnisse, Stereotyp/innen – was sind eure Fragen an die Zukunft der Darstellenden Künste? Schreibt mir in die Kommentare! Ich freue mich darauf, Monat um Monat etwas anderes aufzudröseln.

 

Corinne Soland schreibt im ENSEMBLE zur Zukunft des Schauspiels. Corinne spielt “Anna” in Neumatt, “Isabelle” in Monsieur Claude und seine Töchter (Bernhard Theater),  “Emma” im VR Game Amazing Monster! und spricht als “Jimmy” und “Dimitri” im Guetnachtgschichtli. Corinne lebt in Basel und unterrichtet Motion Capture Schauspiel an interessierte Spielende.

Halbierungsinitiative: Die schlechten Verlierer

Nachdem die NoBillag-Initiative vom Volk wuchtig versenkt wurde, haben sich die Gegner*innen des Service Public für ein paar Jahre die Wunden geleckt. Jetzt sind sie zurück mit der Halbierungsinitiative, einem weiteren Angriff auf Medien und Kultur.

Heute, am 10. August, reichen die Initianten aus dem rechtslibertären Spektrum die Initiative ein, die die Finanzierung der SRG halbieren soll. Als Scheinargument für die Definanzierung dienen die „hohen Abgaben“ für die SRG. Dies ist jedoch nur vorgeschoben. Den Initianten geht es in erster Linie um die Kontrolle der Medien. Und da die SRG weder von links noch von rechts kontrolliert werden kann – das ist zentral in der Organisation des Medienunternehmens – läuft jetzt der zweite Versuch, die SRG zu zerstören. Denn: Was man nicht kontrollieren kann, macht man kaputt.

Für uns, SzeneSchweiz, hat es aber viel mehr Gewicht als nur ein medienpolitisches: Von der SRG und ihren Partnern kommt grosse Unterstützung in die Kulturlandschaft Schweiz. Viele Produktionen wären ohne die Gelder aus dem Service Public gar nicht machbar. Kappt man der SRG die Lebensader, zerstört man auch einen wichtigen Teil der Schweizer Filmproduktionen und der Schweizer Kultur. Und nicht nur die Produktionen, auch der Zugang zur Kultur findet für viele Schweizer*innen über die SRG statt: Ob Theater, Konzert, Lesung, Kritik – die Berichterstattung über das kulturelle Leben, die kulturelle Vielfalt der Schweiz, findet auf den Sendern der SRG statt.

Es ist klar, dass die Initianten keinen Wert auf Schweizer Kultur legen, dass Produktionen, die ideelle Werte oder Nischenunterhaltung bringen, keinen Gewinn und damit in einer rein materiellen Weltsicht, keinen Wert haben. Das war damals bei der NoBillag ersichtlich und es zeigt sich auch heute wieder.

(Weiter nach dem Bild)

Reiner Trotz: Die NoBillag ging verloren, nun versuchen die Initianten das Gleiche nochmals.

 

Ein weiteres, libertäres Argument ist, wie schon bei der NoBillag-Initiative, dass private Medien ein Grossteil der Angebote besser und marktgerechter produzieren könnte. Und genau da merkt man den dissozialen Ansatz. Kein Marktmedium würde Nischenprogramme oder nur schon einen Service in Rumantsch anbieten, weil man damit einfach kein Geld verdienen kann.

Im Hintergrund unterstützt werden die Initianten von Medienhäusern, die sich von einer geschwächten SRG einen grösseren Anteil am Schweizer Medienkuchen versprechen. Aber man kann sicher sein: Die werden die volle Breite der Schweizer Kultur und der Schweizer Interessen nicht abbilden. Damit lässt sich nämlich kein Geld verdienen. Sonst bräuchte es die finanzielle Unterstützung für die SRG nämlich gar nicht.

Diejenigen, die damals eine Niederlage einstecken mussten, sind schlechte Verlierer. Sie versuchen, mit den gleichen, unredlichen Argumenten, die gleiche unrühmliche Angelegenheit nochmals vors Volk zu bringen. Mit viel Geld und einer antisozialen und antikulturellen Agenda.

Es ist uns bewusst, dass es mühsam ist, all die Argumente nochmals laut zu verkünden, aber wir bitten euch, das NEIN-Komitee zu unterstützen.

Hier könnt ihr euch informieren und engagieren:

www.pro-medienvielfalt.ch 

 

I | D Tavola rotonda sugli esordi della danza moderna e contemporanea in Ticino

Istituita nel 1982 dal comitato di danza dell‘Istituto Internazionale del Teatro (ITI) e fissata al 29.04, giorno di nascita del ballerino e coreografo Jean-Georges Noverre (1727-1810), la giornata internazionale della danza celebra ogni espressione e declinazione di questa forma d’arte. Nel tradizionale messaggio annuale, affidato quest’anno a Yang Liping, la danzatrice e coreografa di danza folk cinese pone lo sguardo sulla continuità tra tradizione e autor* odiern*.

Testo di Katja Vaghi

Similmente incentrata sulle linee della continuità orale in danza e sulla loro fragilità, è stata l’anteprima ticinese della Festa Danzante che da diversi anni ricorre per la Giornata Internazionale della Danza. Coordinato da RESO, l’appuntamento invita la Svizzera a danzare. Nella cornice dello splendido e arioso chiostro dell’ex Asilo Ciani di Lugano, l’invito proposto era alla memoria della danza e al danzare la memoria così da riportarla in vita. La danza evapora nel momento stesso in cui il gesto è portato in scena. L’unico modo per non farla sparire è incarnarne il gesto come proposto dal workshop pomeridiano e dallo spettacolo serale „Save the Last Dance“ della compagnia Alessandro Sciaroni che hanno avvicinato il pubblico alla polka chinata, tipica danza di corteggiamento, molto fisica e quasi dimenticata, eseguita fino alla Prima Guerra Mondiale esclusivamente da uomini sotto i portici di Bologna. Alla memoria della danza ticinese era invece dedicata la tavola rotonda sullo sviluppo della danza nella Svizzera italiana che ha visto la presenza di gran parte de* autor* attiv* tra gli anni ’80 e ’90.

La danza evapora nel momento stesso in cui il gesto è portato in scena.

Molti sanno della comunità di idealisti che alla ricerca di una società migliore si insedia all’inizio del XX secolo sul Monte Verità. Meno nota ne è invece l’importanza per lo sviluppo della danza moderna europea, o Ausdruckstanz. È nelle estati tra il 1913 e il 1919, in piena Prima Guerra Mondiale, che Rudolf von Laban sperimenta con un gruppo di danzatrici/i un nuovo modo di muoversi e di concepire il corpo. Le ricerche sul movimento sono poi ulteriormente sviluppate da allieve come Mary Wigman a Dresda, Susanne Perrottet a Zurigo e Katja Wullf a Basilea. Le ultime due figure, anche associate al movimento dada del Cabaret Voltaire, sono fondamentali non solo per la danza e la cultura svizzera, ma anche per una visione più ampia della funzione della danza nella società, come testimonia il fatto che Max Bircher-Benner e Carl G. Jung inviano pazienti alle lezioni della Perrottet. Cosa accade in Ticino quando queste influenti personalità della danza ripartono per la Svizzera interna e la Germania? Negli ultimi anni, l’attenzione si è concentrata su Charlotte Bara danzatrice belga-tedesca della Repubblica di Weimar, specializzata in danze sacre, che si stabilisce ad Ascona negli anni 20. L’architetto Carl Weidemeyer è incaricato di costruirle un teatro da camera in stile Bauhaus, il Teatro San Materno, realizzato tra il 1927 e il 1948. Cosa è successo invece in epoca più recente? La tavola rotonda „Noi c’eravamo“ ha voluto gettare una luce sulle radici della danza contemporanea in Ticino con l’obiettivo di comprendere il presente e considerare il futuro della danza nella Svizzera italiana. A condividere uno spaccato del proprio mondo creativo e concezione del movimento sono stati Claudio Schott, Margit Huber, Nunzia Tirelli, Claudio Prati e Ariella Vidach (AiEP).

Le ultime due figure, anche associate al movimento dada del Cabaret Voltaire, sono fondamentali non solo per la danza e la cultura svizzera, ma anche per una visione più ampia della funzione della danza nella società, come testimonia il fatto che Max Bircher-Benner e Carl G. Jung inviano pazienti alle lezioni della Perrottet.

Il punto di partenza della tavola rotonda, avviata dalla danzatrice, coreografa e ricercatrice di danza Katja Vaghi, è uno studio sul danzatore e coreografo Claudio Schott, che ha fondato la prima compagnia di danza contemporanea in Ticino, il Gruppo Teatro Danza (1983-1988). Il gruppo, in seguito ribattezzato Progetto Danza Hortus Saltationis (1988-1996), ha riunito molti professionisti della danza presenti sul territorio in quegli anni, portando la danza all’attenzione del pubblico ticinese. Il progetto di ricerca ha ricevuto il finanziato al patrimonio performativo svizzero offerto dall’Ufficio federale della cultura nel 2021 ed è coadiuvato dall’Accademia Dimitri. La tavola rotonda ha seguito due linee di indagine. Da un lato, si è a posto l’accento sulla transnazionalità della danza, evidenziando la ricchezza di approcci al movimento e al corpo presenti in un territorio così ristretto. Il Ticino è una terra di passaggio, un ponte tra la Svizzera interna e il bacino del Nord Italia. L’assenza di una formazione professionale in danza porta le persone che aspirano a una carriera in questo campo a recarsi in Svizzera interna o all’estero. Le competenze e l’esperienza vengono poi portate in Ticino quando l’artista decide di tornare. L’altro filone di discussione era orientato a rievocare il clima di sperimentazione e ribellione caratteristico degli anni ’80 e ’90: l’eterogeneità del training dei pochi danzatori sul territorio, il rapporto con i gruppi teatrali indipendenti e la costituzione di un’associazione professionale a difesa degli interessi di categoria (TASI).

Da un lato, si è a posto l’accento sulla transnazionalità della danza, evidenziando la ricchezza di approcci al movimento e al corpo presenti in un territorio così ristretto. Il Ticino è una terra di passaggio, un ponte tra la Svizzera interna e il bacino del Nord Italia.

Claudio Schott, spinto dal suo precoce desiderio di diventare un danzatore, si trasferisce dalla conservativa Lugano a Londra dove si forma in tecnica Graham e Cunningham al programma serale della London Contemporary Dance School (LCDS). In Gran Bretagna lavora come danzatore, coreografo e pedagogo con ingaggi con la compagnia Images Dance Theatre e l’English National Opera. In seguito ad una svolta nella politica di immigrazione, ritorna a Lugano e tra il 1981 e il 1996 fonda e dirige la prima scuola e compagnia di danza contemporanea in Ticino. Narratore di storie, i suoi lavori sono chiaramente ispirati alle tecniche di movimento che ha studiato. L’innovazione avviene a livello tematico, con l’omosessualità e le relazioni di coppia in primo piano rispetto al movimento astratto. È stato segretario del TASI e tra i promotori nel 1996 del primo Festival di danza in Ticino, TI-danza.

Narratore di storie, i suoi lavori sono chiaramente ispirati alle tecniche di movimento che ha studiato. L’innovazione avviene a livello tematico, con l’omosessualità e le relazioni di coppia in primo piano rispetto al movimento astratto.

Margit Huber si è formata a Herisau alla scuola di Sigurd Leeder, esponente della Ausdruckstanz, e danza con Choreo 77 prima di trasferirsi in Ticino nel 1982. Dopo alcuni anni apre la sua scuola e fonda la sua compagnia nel 2000. Lavora come danzatrice e coreografa con e per il Gruppo Teatro Danza prima di tornare alla ricerca come solista. La sua produzione si concentra sul trascendentale e sulla natura, con influssi dell’I-Ching e dei quattro elementi cosmici. Questa sensibilità verso un quadro più ampio della realtà, la porta a studiare Butoh, tecnica di movimento postmoderna giapponese legata all‘Ausdruckstanz. Impegnata politicamente per il riconoscimento e la difesa del teatro libero nella Svizzera italiana, è stata uno dei primi membri attivi della TASI, insieme a Schott.

La sua produzione si concentra sul trascendentale e sulla natura, con influssi dell’I-Ching e dei quattro elementi cosmici. Questa sensibilità verso un quadro più ampio della realtà, la porta a studiare Butoh, tecnica di movimento postmoderna giapponese legata all‘Ausdruckstanz.

Nunzia Tirelli si è unita a Claudio Schott e al Progetto Danza come danzatrice e coreografa dopo aver studiato diverse tecniche di danza moderna e contemporanea in Italia. Il suo interesse per le potenzialità espressive del corpo in moto sulla scena l’ha portata a muoversi tra teatro e danza, collaborando per lungo tempo con Cristina Castrillo e il Teatro delle Radici. Nel corso degli anni, guidata dalla sua insaziabile curiosità per il movimento, ha conseguito diverse formazioni come analista del movimento, Bartenieff e di studi cronologici, percorsi tutti incentrati sulle idee sul movimento di Rudolf von Laban. Tra il 2012 e il 2021 dirige il Laban Event che riporta con conferenze e ricostruzioni di opere di von Laban l’Ausdrucktanz al Monte Verità. È tuttora attiva come danzatrice, coreografa e pedagoga e fa parte della giuria federale per le arti performative.

Claudio Prati e Ariella Vidach si incontrano durante una lezione di Contact improvisation a New York, dove si erano trasferiti per approfondire i loro rispettivi percorsi nelle arti visive e performative, e nella danza. L’interesse di Vidach per l’improvvisazione e le tecniche di danza postmoderna si incontra con la videoarte di Prati. Nel 1988 tornano in Ticino e creano la loro compagnia Avventure in Elicottero Prodotti (AiEP) in cui la danza e le nuove tecnologie interagiscono dal vivo sul palcoscenico, un approccio rivoluzionario e visionario per l’epoca. Attivi tra il Ticino e Milano, hanno ricevuto il premio per la danza dell’ufficio Federale della Cultura nel 2017 per i loro lavori futuristici, in cui il corpo e i media digitali interagiscono alla pari sul palco.

L’incontro si è chiuso con un appello lanciato dal publico in sala alla nuova generazione ad essere incisiva nelle sue azioni artistiche e politiche.

A contribuire alla retrospettiva è stata anche la presenza in platea di numeros* protagonist* della comunità artistica dell’epoca, per citarne alcuni, Camilla Lombardo, danzatrice che ha lavorato per Claudio Schott, pedagoghi della danza (Manuela Rigo e Mi Jung Manfrini), autori del teatro indipendente (Cristina Castrillo), costumist*, ex alliev* di danza e giornalist*. L’incontro si è chiuso con un appello lanciato dal publico in sala alla nuova generazione ad essere incisiva nelle sue azioni artistiche e politiche.

D | I Runder Tisch zu den Anfängen des modernen und zeitgenössischen Tanzes im Tessin   

Der Internationale Tag des Tanzes, der 1982 vom Tanzkomitee des Internationalen Theaterinstituts (ITI) ins Leben gerufen wurde und auf den 29.04., den Geburtstag des Tänzers und Choreographen Jean-Georges Noverre (1727-1810), fällt, feiert alle Ausdrucksformen und Ausprägungen dieser Kunstform. In ihrer traditionellen jährlichen Botschaft, die in diesem Jahr Yang Liping anvertraut wurde, richtet die chinesische Volkstänzerin und Choreografin ihr Augenmerk auf die Kontinuität zwischen der Tradition und den heutigen Autor*innen.

Text von Katja Vaghi

Die Tessiner Vorpremière der Festa Danzante am 29. April, die seit mehreren Jahren am Internationalen Tag des Tanzes stattfindet, konzentrierte sich ebenfalls auf die Linien der mündlichen Kontinuität im Tanz und ihre Zerbrechlichkeit. Die vom RESO koordinierte Veranstaltung lädt die Schweiz zum Tanzen ein. Im prächtigen und luftigen Kreuzgang des ehemaligen Asilo Ciani in Lugano sollte die Erinnerung an den Tanz wachgerufen werden und wieder zum Leben erweckt werden. Der Tanz verflüchtigt sich in dem Moment, in dem die Geste auf die Bühne gebracht wird. Die einzige Möglichkeit, ihn nicht verschwinden zu lassen, besteht darin, die Geste zu verkörpern, wie es der Workshop am Nachmittag und die abendliche Aufführung „Save the Last Dance“ der Compagnie Alessandro Sciaroni vorschlugen, die dem Publikum die Bogenpolka näherbrachte, einen typischen, sehr körperlichen und fast vergessenen Balztanz, der bis zum Ersten Weltkrieg ausschließlich von Männern unter den Arkaden von Bologna aufgeführt wurde. Der runde Tisch über die Entwicklung des Tanzes in der italienischen Schweiz war hingegen der Erinnerung an den Tessiner Tanz gewidmet, an dem die meisten der zwischen den 1980er und 1990er Jahren aktiven Autor*innen teilnahmen.

Der Tanz verflüchtigt sich in dem Moment, in dem die Geste auf die Bühne gebracht wird.

Viele kennen die Gemeinschaft von Idealisten, die sich auf der Suche nach einer besseren Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Monte Verità niedergelassen haben. Weniger bekannt ist jedoch seine Bedeutung für die Entwicklung des modernen europäischen Tanzes, des Ausdruckstanzes. In den Sommern zwischen 1913 und 1919, mitten im Ersten Weltkrieg, experimentierte Rudolf von Laban mit einer Gruppe von Tänzern mit einer neuen Art, sich zu bewegen und den Körper zu begreifen. Die Bewegungsforschung wurde dann von Schülerinnen wie Mary Wigman in Dresden, Susanne Perrottet in Zürich und Katja Wullf in Basel weiter entwickelt. Die beiden letztgenannten Persönlichkeiten, die auch mit der Dada-Bewegung des Cabaret Voltaire in Verbindung gebracht werden, sind nicht nur für den Schweizer Tanz und die Schweizer Kultur von grundlegender Bedeutung, sondern auch für eine umfassendere Sicht auf die Funktion des Tanzes in der Gesellschaft, wie die Tatsache beweist, dass Max Bircher-Benner und Carl G. Jung Patienten in Perrottets Tanzstunden schicken. Was geschieht im Tessin, wenn diese einflussreichen Tanzpersönlichkeiten in die Innerschweiz und nach Deutschland abwandern? Der runde Tisch „Wir waren dabei“ versuchte, die Wurzeln des zeitgenössischen Tanzes im Tessin zu beleuchten, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft des Tanzes in der italienischen Schweiz zu betrachten. Claudio Schott, Margit Huber, Nunzia Tirelli, Claudio Prati und Ariella Vidach (AiEP) gaben Einblicke in ihr kreatives Schaffen und ihre Vorstellung von Bewegung.

Die beiden letztgenannten Persönlichkeiten, die auch mit der Dada-Bewegung des Cabaret Voltaire in Verbindung gebracht werden, sind nicht nur für den Schweizer Tanz und die Schweizer Kultur von grundlegender Bedeutung, sondern auch für eine umfassendere Sicht auf die Funktion des Tanzes in der Gesellschaft, wie die Tatsache beweist, dass Max Bircher-Benner und Carl G. Jung Patienten in Perrottets Tanzstunden schicken.

Ausgangspunkt der von der Tänzerin, Choreografin und Tanzforscherin Katja Vaghi initiierten Gesprächsrunde war eine Studie über den Tänzer und Choreografen Claudio Schott, der die erste zeitgenössische Tanzkompanie im Tessin, die Gruppe Teatro Danza (1983-1988), gründete. Die Gruppe, die später in Progetto Danza Hortus Saltationis (1988-1996) umbenannt wurde, brachte in jenen Jahren zahlreiche Tanzschaffende aus der Region zusammen und machte die Tessiner Öffentlichkeit auf den Tanz aufmerksam. Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesamt für Kultur im Jahr 2021 für das Erbe der darstellenden Künste in der Schweiz gefördert und wird von der Accademia Dimitri unterstützt. Der Runde Tisch verfolgte zwei Fragestellungen. Einerseits wurde der Schwerpunkt auf die Transnationalität des Tanzes gelegt, indem der Reichtum an Bewegungs- und Körperansätzen auf einem so begrenzten Gebiet hervorgehoben wurde. Das Tessin ist ein Land des Übergangs, eine Brücke zwischen der Innerschweiz und dem norditalienischen Becken. Das Fehlen einer professionellen Tanzausbildung veranlasst Menschen, die eine Karriere in diesem Bereich anstreben, in die Innerschweiz oder ins Ausland zu reisen. Die erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen werden dann ins Tessin zurückgebracht, wenn die Künstlerin oder der Künstler beschließt, zurückzukehren. Der andere Diskussionsstrang zielte darauf ab, das für die 1980er und 1990er Jahre charakteristische Klima des Experimentierens und der Rebellion in Erinnerung zu rufen: die Heterogenität der Ausbildung der wenigen Tänzerinnen und Tänzer in der Region, die Beziehung zu den freien Theatergruppen und die Gründung eines Berufsverbands zur Verteidigung der Interessen des Berufs (TASI).

Einerseits wurde der Schwerpunkt auf die Transnationalität des Tanzes gelegt, indem der Reichtum an Bewegungs- und Körperansätzen auf einem so begrenzten Gebiet hervorgehoben wurde. Das Tessin ist ein Land des Übergangs, eine Brücke zwischen der Innerschweiz und dem norditalienischen Becken.

Claudio Schott zog, getrieben von seinem frühzeitigen Wunsch, Tänzer zu werden, vom konservativen Lugano nach London, wo er am Abendprogramm der London Contemporary Dance School (LCDS) in den Techniken von Graham und Cunningham ausgebildet wurde. In Großbritannien arbeitete er als Tänzer, Choreograph und Pädagoge mit Engagements bei der Images Dance Theatre Company und der English National Opera. Nach einer Änderung der Einwanderungspolitik kehrte er nach Lugano zurück und gründete und leitete zwischen 1981 und 1996 die erste zeitgenössische Tanzschule und Kompanie im Tessin. Als Geschichtenerzähler sind seine Werke eindeutig von den Bewegungstechniken inspiriert, die er studiert hat. Die Innovation findet auf thematischer Ebene statt, wobei Homosexualität und Paarbeziehungen im Gegensatz zu abstrakten Bewegungen im Vordergrund stehen. Er war Sekretär der TASI und einer der Initiatoren des ersten Tanzfestivals im Tessin, TI-danza, im Jahr 1996.

Als Geschichtenerzähler sind seine Werke eindeutig von den Bewegungstechniken inspiriert, die er studiert hat. Die Innovation findet auf thematischer Ebene statt, wobei Homosexualität und Paarbeziehungen im Gegensatz zu abstrakten Bewegungen im Vordergrund stehen.

Margit Huber wurde in Herisau in der Schule von Sigurd Leeder, einem Vertreter des Ausdruckstanzes, ausgebildet und tanzte in der Gruppe Choreo 77, bevor sie 1982 ins Tessin zog. Nach einigen Jahren eröffnete sie ihre eigene Schule und gründete im Jahr 2000 ihre eigene Kompanie. Sie arbeitete als Tänzerin und Choreografin mit und für die Gruppo Teatro Danza, bevor sie als Solistin in die Forschung zurückkehrte. Ihre Produktionen konzentrierten sich auf das Transzendente und die Natur, mit Einflüssen aus dem I-Ching und den vier kosmischen Elementen. Diese Sensibilität für ein umfassenderes Bild der Realität veranlasste sie, Butoh zu studieren, eine postmoderne japanische Bewegungstechnik, die mit dem Ausdruckstanz verbunden ist. Politisch engagiert für die Anerkennung und Verteidigung des freien Theaters in der italienischen Schweiz, war sie zusammen mit Schott eines der ersten aktiven Mitglieder der TASI.

Ihre Produktionen konzentrierten sich auf das Transzendente und die Natur, mit Einflüssen aus dem I-Ching und den vier kosmischen Elementen. Diese Sensibilität für ein umfassenderes Bild der Realität veranlasste sie, Butoh zu studieren, eine postmoderne japanische Bewegungstechnik, die mit dem Ausdruckstanz verbunden ist.

Nunzia Tirelli kam als Tänzerin und Choreografin zu Claudio Schott und Progetto Danza, nachdem sie in Italien verschiedene moderne und zeitgenössische Tanztechniken studiert hatte. Ihr Interesse an den Ausdrucksmöglichkeiten des Körpers in Bewegung auf der Bühne führte sie dazu, zwischen Theater und Tanz zu wechseln und lange Zeit mit Cristina Castrillo und dem Teatro delle Radici zusammenzuarbeiten. Im Laufe der Jahre hat sie, geleitet von ihrer unstillbaren Neugierde für Bewegung, verschiedene Ausbildungen als Bewegungsanalytikerin, Bartenieff und chronologische Studien absolviert, die sich alle auf die Bewegungsideen von Rudolf von Laban konzentrieren. Zwischen 2012 und 2021 leitete sie das Laban Event, das den Ausdruckstanz mit Vorträgen und Rekonstruktionen der Werke von Labans auf den Monte Verità zurückbrachte. Sie ist weiterhin als Tänzerin, Choreografin und Pädagogin tätig und Mitglied der Bundesjury für darstellende Künste.

Claudio Prati und Ariella Vidach lernten sich während eines Kontaktimprovisationskurses in New York kennen, wohin sie gezogen waren, um ihren jeweiligen Weg in der bildenden und darstellenden Kunst sowie im Tanz weiterzugehen. Vidachs Interesse an Improvisation und postmodernen Tanztechniken traf auf Pratis Videokunst. 1988 kehrten sie ins Tessin zurück und gründeten ihre Kompanie Avventure in Elicottero Prodotti (AiEP), in der Tanz und neue Technologien live auf der Bühne interagieren – ein für die damalige Zeit revolutionärer und visionärer Ansatz. Sie sind zwischen dem Tessin und Mailand tätig und erhielten 2017 den Tanzpreis des Bundesamts für Kultur für ihre futuristischen Arbeiten, in denen der Körper und die digitalen Medien auf der Bühne gleichberechtigt interagieren.

Das Treffen schloss mit einem Appell des Publikums an die neue Generation, in ihrem künstlerischen und politischen Handeln prägnant zu sein.

Zur Retrospektive trug auch die Anwesenheit zahlreicher Protagonist*innen der damaligen Kunstszene bei, darunter die Tänzerin Camilla Lombardo, die für Claudio Schott arbeitete, Tanzpädagog*innen (Manuela Rigo und Mi Jung Manfrini), Autor*innen des freien Theaters (Cristina Castrillo), Kostümbildner*innen, ehemalige Tanzstudent*innen und Journalist*innen. Das Treffen schloss mit einem Appell des Publikums an die neue Generation, in ihrem künstlerischen und politischen Handeln prägnant zu sein.

Locarno, ti amo!

Alle Jahre wieder trifft sich die Branche am glamourösen Filmfestival am Lago Maggiore. Während die Film-Enthusiasten sich vor der Leinwand scharen, treffen sich Darsteller*innen und Filmleute bei den Apéros. So auch beim SSFV-SzeneSchweiz-Anlass.

Um es vorwegzunehmen: Alain Berset, der George Clooney des Bundesrats und Kultur-Oberchef der Schweiz, kam nicht an den Branchen-Apéro von SSFV und SzeneSchweiz, aber die Teilnehmer*innen konnten ihre Tränen zurückhalten und hatten auch so ihren Spass. Natürlich konnte man endlich wieder mal Branchen-Gossips austauschen, aber es wurden auch ernste Themen diskutiert:

Unter den Mitgliedern beider Verbände gaben die Verhandlungen zu den Filmschauspielgagen zu reden. Auch die uns alle überrollende KI und die möglichen Folgen für Sprecher*innen und Schauspieler*innen waren in aller Munde. Während in den USA bereits der Kulturkampf um das Recht am eigenen Bild und Erscheinen in einem der grössten Streiks der Filmgeschichte eskalierte, sind in der Schweiz noch alle vom Thema überfordert. Tenor unter den Interpret*innen: Es muss schnell gehandelt werden.

Die Chef*innen (v.l.n.r).: Salva Leutenegger, GL SzeneSchweiz, Matthias Albold, Präsident SzeneSchweiz, Chantal Bolzern, Präsidentin SSFV, Nicole Barras, GL SSFV

Die Verbände und die Verwertungsgesellschaften sind gefordert, nachzudenken und entsprechende Forderungen zugunsten der Interpret*innen auszuarbeiten. Matthias Albold, Präsident SzeneSchweiz brachte alarmierende Gedanken vom internationalen FIA-Kongress in Tallin mit, wo die KI ein zentrales Thema war. Man sei sich einig gewesen, dass es Verlierer gebe, aber es gelte, die Verluste möglichst kleinzuhalten.

Doch weder die Zukunft, noch die noch immer im Nacken sitzende Pandemie-Krise trübte die Laune der Gäste: Netzwerken, Cüpli trinken, Leben geniessen. Schliesslich ist nur einmal im Jahr Festival Locarno!

 

Hollywood streikt gegen AI – und wie siehts in der Schweiz aus?

Die Schauspieler*innen in Hollywood streiken für mehr Lohn und die ganze Industrie steht still. Ein weiterer wichtiger Punkt:: Wenn künstliche Intelligenz das Aussehen und die Stimme eine*r Darsteller*in vollkommen echt imitieren kann, wer hat dann die Rechte an diesen Bildern und Filmen?