«Altbacken statt Innovativ» – Zürcher Theaterförderung

In einem Gastbeitrag in der NZZ am Sonntag (Nur mit Abo) zerpflückt Pius Knüsel den Anspruch auf «Innovation», den die Stadtzürcher Kulturförderung an die kleinen Theater stellt. Die Vorstellung dieser Avantgarde stamme noch aus den 1980ern und werde der Realität der Szene nicht gerecht.

Hier ein paar Zitate aus der Kolumne:

«Bedrohte Arbeitsplätze, Verlust von Vielfalt, gegenseitige Zerfleischung: Die Schlagzeilen sind dramatisch, wie es sich fürs Theater gehört. Der Berufsverband SzeneSchweiz hat bereits 6000 Unterschriften gesammelt gegen die absehbare Schliessung von Theater Stok und Keller 62, die im Zuge der neuen Zürcher Theaterförderung ab 2026 auf Unterstützung verzichten müssen.»

Die Stadt ruft die beiden Häuser auf, sich neu auszurichten. Die Räume, so schreibt die Jury in der 58-seitigen Expertise, würde man ja gerne fürs Theater retten, bloss das Programm nicht. Ist das naiv oder sarkastisch? Denn in einem kulturellen Biotop, das von öffentlicher Förderung dominiert ist, haben andere Organisationsformen keine Chance. Selbst ein Unterhaltungstheater wie der Hechtplatz benötigt öffentliche Gelder. Es bleibt beim Anpassen oder Aufgeben.»

Zu den Ansprüchen an die Szene schreibt Knüsel:

«Ja, der Innovationsfetischismus. Das Kriterium hat sich mit dem Start der Projektförderung in den achtziger Jahren in den Beurteilungsrastern festgesetzt, von der Stadt Zürich über die Kantone bis zu Pro Helvetia. Es war sinnvoll, als es darum ging, an den Burgen der Tradition wie Opern, Stadttheatern, Orchestern vorbei die kulturelle Erneuerung voranzubringen. Das hiess Experiment im Quadrat, neue Ästhetik. So legitimierte der Staat die neue Förderpolitik.

Vierzig Jahre später, in der Periode der grenzenlosen Selbstverwirklichung, gleicht jener elitäre Innovationsbegriff allerdings einem Phantom. Die Mischung von Stilen, Künsten und Kulturen hat die Massstäbe der achtziger Jahre längst pulverisiert. Retro ist so modern wie Virtual Reality, Folklore so cool wie Improtheater, Musical so anerkannt wie neuste Musik. Forderungen wie jene nach Innovation – heute ergänzt um jene nach gesellschaftlicher Relevanz oder Diversität – nannte der Schriftsteller Lars Gustafsson bereits 1980 das Problemformulierungsprivileg der Kulturförderer. Sie ­formulieren eine Erwartung, die sie über die Wirklichkeit stülpen. Und siehe, Letztere passt nicht.»

 

«Stellenkürzung oder Umverteilung»

SzeneSchweiz Präsident Matthias Albold analysiert die Auseinandersetzung am Theater Basel, leuchtet eigene Positionen aus und zeigt die Arbeit auf, die SzeneSchweiz in diesem Bereich leistet und in der Vergangenheit bereits geliefert hat.

Liebe SzeneSchweiz-Mitglieder

Einige von euch werden bemerkt haben, dass sich in Basel am Theater gerade einiges bewegt. Es geht um die Tänzerinnen am hiesigen Ballettensemble. Es geht um Gehälter. Es geht um Aktionen bei Vorstellungen die vom Ensemble mit der UNIA durchgeführt wurden. Eigentlich sollte da doch unser Verband am Start sein? Warum ist SzeneSchweiz nicht aktiv……

Die Antwort lautet: waren wir, sind wir, werden wir weiterhin sein.

Manchmal überschlagen sich die Ereignisse, dann gilt es verlangsamen, Abstand nehmen und den Dialog suchen. Insbesondere der Dialog ist und bleibt die effektivste Art der Konfliktbewältigung.

Im Fall der Aktionen des Tanzes in Basel wurden wir auch zum Dialog aufgefordert, jedoch erst als die Aktionen gelaufen und Forderungen gestellt waren. Dialog gab es auch davor, nachdem die Tänzerinnen vor ziemlich genau einem Jahr auf die Geschäftsstelle zugekommen waren. Das Gespräch mit den Sozialpartnern wird jährlich im Rahmen der Tarifkommissionsverhandlungen geführt und brachte uns in diesem Jahr eine moderate Entwicklung der Mindestgagen von durchschnittlich 90 SFR der zehn am GAV beteiligten Theater für die Saison 23/24.

Im Verlauf der Tarifkommissionssitzung wurde insbesondere auf die missliche Lage der Tänzerinnen in der ganzen Schweiz hingewiesen. Auch die Vertretung beim SBV (Schweizerischer Bühnenverband) ist sich dieses besonderen Zustands bewusst. Signifikante Lohnschritte, wie von der UNIA in Basel gefordert, wären nur mit Erhöhung von Subventionen machbar.

Wir reichen auch da unserem Sozialpartner immer wieder die Hand, uns endlich zu Gesprächen bei den Subventionsgebern einzuladen. Werden diese Subventionssprünge, aus welchen Gründen auch immer, nicht getan, bleibt den Theatern beim Erhöhen der Gagen nur die Umverteilung oder Stellenkürzung. Eine Entscheidung, welche ich nicht treffen möchte.

Dialoge führen wir überdies nicht nur in Richtung Arbeitgeber, sondern auch zu den Arbeitnehmern, wie man an unserer Lohnkampagne sehen kann. Die Umfrage wurde von 50% unserer Mitglieder beantwortet (herzlichen Dank im Nachhinein auch von meiner Seite).

Wir dialogisieren also durchaus gerne und sicher nicht zu wenig.

Ich persönlich habe aber Schwierigkeiten zum Dialog gebeten zu werden, wenn ich das Gefühl habe nur noch als Legitimator von bereits aufgestellten Forderungen benutzt zu werden. Trotzdem wünsche ich den Initianten bei ihrer Mission viel Erfolg und hoffe, dass sie, die vom Theater bereits versprochenen Verbesserungen vielleicht noch ein wenig ausbauen können. Danach stehe ich mit der Geschäftsleitung dem Tanzensemble gerne für ein Gespräch zur Verfügung, um solche Situationen in Zukunft gemeinsam angehen zu können.

 

Kollegiale Grüsse

Matthias Albold

Präsident SzeneSchweiz

Folge #8: „Dragqueen auf einem Pferd“

In der aktuellen Folge #8 Datenbanken, Vorfälle und Machtverhältnisse geht es um folgende Inhalte:

Nach kurzer Pause sind wir wieder da mit einer neuen Folge. Heute sprechen wir nicht nur darum, ob Chris als Dragqueen auf einem Pferd reiten soll, sondern auch darüber, was Tina in Paris macht, wie Machtverhältnisse auf dem Set zu Vorfällen führen können und wie man in so einer Situation reagiert. Und eine Frage brennt uns besonders auf der Zunge: Wieviele Schauspieldatenbanken brauchen wir und für wieviele sollen wir unser Geld eigentlich noch ausgeben?

Hier sind wir! Das Schauspieldoppelpack Tina Kümpel & Christian Jankovski Christian mit dem Schauspielpodcast für Schauspieler*innen, solche die es werden wollen und alle, die sich für das Thema interessieren. Wir tauchen gemeinsam in die Film- und Theaterwelt ein, berichten über eigene Erfahrungen, Stolpersteine, Ups and Downs, besprechen Schauspielmethoden und diskutieren aktuelle Themen aus der Branche. Uns interessieren auch deine Geschichten, Fragen und Anliegen. Mit immer mal wieder spannenden Gästen runden wir das ganze ab.

Hör zu, sei dabei und werde Teil von uns.
Collaboration with Szene Schweiz 

Konflikt Theater Basel: Rechtliche Stellungnahme zum Bajour-Artikel vom 2. Juni

In den letzten Wochen machten am Theater Basel Arbeitskampf-Aktionen von Ensemblemitgliedern – koordiniert von der Regionalvertretung der UNIA – Schlagzeilen regional und überregional. Diese Aktionen fanden ohne Wissen oder Mitwirkung des Verbandes SzeneSchweiz statt.
In der Berichterstattung zu diesen Aktionen wurde der Arbeitsrechtler Prof. Thomas Geiser zu den rechtlichen Grundlagen der Aktionen zitiert. SzeneSchweiz muss, nach gründlichen juristischen Abklärungen, einigen der veröffentlichten Aussagen vehement widersprechen.

Im Artikel werden – mit Verweis auf eine Anfrage bei Prof. Thomas Geiser – die folgenden beiden Standpunkte wiedergegeben:
· Die Unia sei berechtigt, mit dem Theater Basel direkt über Gagen der Tänzer*innen zu verhandeln.
· Die Friedenspflicht sei von den Tänzer*innen nur einzuhalten, sofern sie Mitglied von Szene Schweiz seien; ansonsten müssten sie sich nicht an den GAV halten.

(Zum Artikel gehts hier)

Zu den Lohnverhandlungen

Mit der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag eines Arbeitgebers, der den Vorgaben des GAV unterliegt, haben angestellte Künstler*innen die Sozialpartnerschaft und damit die Vertretung durch SzeneSchweiz akzeptiert, auch ohne explizit Mitglied des Verbandes zu sein. Sie dürfen sich natürlich im Einzelfall, also in den Verhandlungen eines Individuallohnes, von einem Rechtsvertreter unterstützen lassen.

Die Lohnverhandlungen für die im Hause geltenden Mindestlöhne sind jedoch SzeneSchweiz als offiziellem Sozialpartner vorbehalten und können nicht durch einzelne Ensemble-Vertreter*innen an UNIA abgegeben werden.

Zur Friedenspflicht

Mit der Unterschrift des Arbeitsvertrages anerkennen die Ensemble-Mitglieder gleichzeitig den geltenden GAV, aus dem die Bedingungen für den individuellen Arbeitsvertrag hervorgehen. Mit dieser Anerkennung kommt auch die Vorgabe der Friedenspflicht. Weder einzelne Ensemble-Mitglieder noch ein gesamtes Ensemble kann diese aussetzen. Die Aussetzung der Friedenspflicht unterliegt alleine dem Sozialpartner, der den GAV ausgehandelt hat.

Die Folgen

Aufgrund dieser Beurteilung zeigt sich, dass UNIA leider die rechtliche Situation des Ensembles am Theater Basel falsch eingeschätzt hat. Die übereilte Aktion hat nicht nur die Arbeitsplätze der Beteiligten gefährdet, sie lässt auch die Ensemble-Mitglieder mit einem rechtlichen Risiko allein: Für eventuell ausfallende Vorstellungen oder andere finanzielle Einbussen durch die Aktionen könnten die Beteiligten haftbar gemacht werden.

SzeneSchweiz setzt sich mit Engagement und Überzeugung für verbesserte Arbeitsbedingungen auf und hinter Schweizer Bühnen ein. Dies ist keine Auseinandersetzung, die mit einem Holzhammer geführt werden kann. Kampfmassnahmen, so attraktiv sie auf den ersten Blick scheinen mögen, schaden immer dem gesamten Kulturbetrieb und können im schlimmsten Falle sogar Subventionen gefährden. Dies zum Schaden aller Beteiligten.

Die Gewerkschaft UNIA mag Sozialpartner für Technik und Verwaltung sein, aber im Bereich Kunst ist sie fremd und gefährdet Betroffene und den Kulturbetrieb als Ganzes. Die Arbeitgeber im Bereich Kultur sind keine internationalen Konzerne oder kapitalistische Ausbeuter. Sie sind in erster Linie Partner, die Kultur auf Schweizer Bühnen ermöglichen.

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Rechtliche Ausführungen:

Zu Lohnverhandlungen:

Es ist danach zu unterscheiden, ob es um die Verhandlung von Mindestlöhnen und/oder Besoldungsordnungen geht, die als Ausfluss des GAV in die lokalen Hausordnungen aufgenommen werden, oder ob es um eine individuelle Gagenverhandlung oder -streitigkeit eines Bühnenmitglieds in einem konkreten Einzelfall geht (bei der sich ein Bühnenmitglied selbstverständlich auch anwaltlich vertreten lassen kann).

Die Bestimmungen über (Mindest-)Löhne sind Bestandteil der normativen Bestimmungen eines GAV (vorliegend Art. 11 GAV Chor und Ballett-/Tanz; zuständig für die Festlegung der an den jeweiligen Häusern geltenden Mindestgagen ist die von den Sozialpartnern gewählte Tarifkommisson). Sofern an den Häusern Besoldungsordnungen festgelegt werden, welche die Entlöhnung für die Bühnenmitglieder konkretisierend festlegen (z.B. nach Dienstalter, Erfahrungsjahren o.ä.), sind sie Bestandteil der vom GAV vorgesehenen örtlichen Hausordnungen (gleich wie Probenordnungen, Vereinbarungen über Spesenvergütungen etc.), welche zwischen den Bühnenleitungen und den gewählten SzeneSchweiz-Ortsgruppenvertretungen auszuhandeln sind.

Die normativen Bestimmungen des GAV gelten auch für die nicht-gewerkschaftlich organisierten Bühnenmitglieder. Denn die Bühnenkünstler*innen haben sich einzelarbeitsvertraglich ausdrücklich dem GAV angeschlossen (vgl. Art. 4 Abs. 1 und 2 GAV sowie und Formular „Bühnenengagementvertrag“ im Anhang des GAV). Entscheidend ist also nicht die Mitgliedschaft bei SzeneSchweiz oder bei Unia (oder ein späterer Wechsel von der einen zur anderen Gewerkschaft), sondern die Tatsache, dass die Tänzer*innen mit ihren Arbeitsverträgen den Anschluss an den GAV und dessen vorbehaltlose Anerkennung erklärt haben (selbst wenn sie nicht Mitglied von SzeneSchweiz sein sollten).

Zur Friedenspflicht:

Auch die Einhaltung der Friedenspflicht ist einem Anschluss an den GAV inhärent. Tritt ein Bühnenmitglied nachträglich einer anderen Gewerkschaft bei, wird es dadurch nicht davon entbunden, die Regeln des GAV weiterhin einzuhalten, denen es sich einzelarbeitsvertraglich unterworfen hat. Die im Artikel formulierte Auffassung, wonach sich die Tänzer*innen nicht an den GAV halten müssten, sofern sie „nur“ Unia-Mitglied seien, ist gestützt auf die einzelarbeitsvertraglichen Vereinbarungen zwischen dem Theater und den Bühnenmitgliedern nicht zutreffend.

Schweizerisches Theatertreffen mit „transkantonalem“ Anspruch

Letzen Mittwoch bis Sonntag fand das Schweizer Theatertreffen in Fribourg statt, Ensemble hat sich mit  Julie Paucker getroffen. Sie ist seit 2022 als künstlerische Leitung engagiert und hat mit der damaligen Geschäftsleitung die Veranstaltung konzeptuell vorangetrieben. Ein Gespräch über die dringliche Rolle der Mehrsprachigkeit im Theater und Kollaborationen über die Kantonsgrenzen hinweg.

Julie Paucker ist von Haus aus Dramaturgin, sie arbeitete in der Schweiz als auch in Deutschland am Theater Basel, am Deutschen Nationaltheater in Weimar und anderen. Mit ihrer transnationalen Kompanie Kula produziert sie mehrsprachige Stücke, diesem Schwerpunkt widmet sie sich nun auch in der Schweiz. Sie meint: „Sowohl die Ästhetik als auch die Theatervorgänge, -abläufe und -prozesse werden inzwischen international anders gedacht und bergen spezielle Herausforderungen.“ Darauf war die 47-Jährige bestens vorbereitet, sie begreift den Unterschied zwischen den Kantonen als Chance, voneinander zu lernen.

„Sowohl die Ästhetik als auch die Theatervorgänge, -abläufe und -prozesse werden inzwischen international anders gedacht und bergen spezielle Herausforderungen.“

Paucker arbeitete während ihres Studiums bei Migros Kulturprozent und weiss daher, dass die Thematik um die Mehrsprachigkeit die Förderer schon längere Zeit beschäftigt. „Diese Frage lässt einen nicht los, sowohl auf künstlerischer Ebene als auch auf struktureller Ebene. Ein Produktionsprozess ist generell spannender, wenn man mit unterschiedlichen Auffassungen arbeitet». Transnationales, oder eben „transkantonales“ Theater interessiert die gebürtige Zürcherin in vielen Aspekten. Es schärfe den eigenen Blick hinsichtlich dessen, was man aus anderen „Theater-Systemen übernehmen, angleichen und verbessern könne“.

„Diese Frage lässt einen nicht los, sowohl auf künstlerischer Ebene als auch auf struktureller. Ein Produktionsprozess ist generell spannender, wenn man mit unterschiedlichen Auffassungen arbeitet.“

Dies gelte auch für die Schweiz, wo verschiedene Systeme wie kleinere Stadttheater, Häuser von nationaler Ausstrahlung und freie Szene nebeneinander existieren. Dazu komme die Romandie, wo man eher auf das Touring-System mit produzierenden und einladenden Häusern setze. Gerade in den Bereichen „Theater-Markt“, Verkauf und Werbung, wie auch bei der Förderung, könne man viel voneinander lernen. Wegen der Sprachdifferenz stehe die Schweiz modellhaft für Europa oder sogar die Welt – eine riesige Chance also, mit kultureller Diversität umzugehen, sie zu begreifen und sich zu Nutze zu machen. Paucker meint dazu: „Danach ist man auch international fit, denn es sind dieselben Fragen, die sich zwischen unterschiedlichen Ländern stellen!“ Es ist somit auch die Kernmission des Theatertreffens, Theater aus allen Regionen zu versammeln und an ein lokales Publikum heranzutragen, zu wachsen zwischen Landesteilen und Theaterschaffende zusammenzubringen. „Es ist immer ein Erlebnis, zu sehen, wie wenig man sich kennt, obwohl man im selben Business, auf vergleichbarem Niveau, und Bekanntheitsgrad arbeitet. Da kann man etwas bewegen!“, ist Paucker überzeugt.

Es ist somit auch die Kernmission des Theatertreffens, Theater aus allen Regionen zu versammeln und an ein lokales Publikum heranzutragen, zu wachsen zwischen Landesteilen und Theaterschaffende zusammenzubringen.

„Mit dem Titel des Rahmenprogramms „Umbruch, Aufbrauch“, möchte ich ein Zeichen setzen. Besonders wächst die Bewusstheit darüber, dass man sich verbinden kann, gemeinsam über Kultur nachdenken und sich inspirieren lassen.“ Ein weiteres Beispiel für die Stärkung ist die diesjährig neue, kooperative Idee des „Salon d’artistes“, eine Tradition aus der Romandie, bei dem Stücke vor Veranstalter*innen präsentiert werden. Damit wird ein Markt generiert und Interesse geweckt, bevor das Stück überhaupt produziert ist. Ausserdem entstehen daraus Ko-Produktionen und Einladungen, nachdem die Stücke gepitcht wurden.

Die Sélection hat als marktorientierteste Veranstaltung das Potenzial, Künstler*innen auf Tour zu bringen. «Es wird viel produziert und zu wenig gezeigt, obwohl das verdient wäre!».

Paucker entscheidet im Alleingang, welchen Künstler*innen sie eine Plattform geben möchte, sie erhält dafür im Vorfeld Unterstützung von Scouts aus den verschiedenen Regionen. Für die Sélection werden fünf Positionen vergeben, die Shortlist dient dazu, den Künstler*innen zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Es besteht das Potenzial, „über die Sprachgrenze“ hinaus eingeladen zu werden, die Sélection hat als marktorientierteste Veranstaltung das Potenzial, Künstler*innen auf Tour zu bringen. Paucker meint: „Es wird viel produziert und zu wenig gezeigt, obwohl das verdient wäre!». Primärer Aspekt sei es, den Spagat zwischen Festival, einem lokalen, plus ein gesamtschweizerisches Publikum zu meistern. „Darunter gibt es ganz unterschiedliche Ansichten und Rezeptionen zu Stücken – Theater-Kosmen und Ästhetiken werden teils anders interpretiert und finden nicht immer bei allen Landesteilen Gefallen. Es müssen also Stücke gefunden werden, die dazu verführen, sich mit Theater der anderen Kantone zu beschäftigen. Sie müssen solide sein, einen ästhetischen Anspruch erfüllen und von ganzem Herzen vertretbar!“ Aus diesem Grund hat man sich auch vom Kuratorium und Jury entfernt, Paucker verleiht der Auswahl ihr Profil, „Ich suche in der Gemengelage passende Stücke“, sagt sie und schmunzelt.

„Darunter gibt es ganz unterschiedliche Ansichten und Rezeptionen zu Stücken, Theater-Kosmen und Ästhetiken werden teils anders interpretiert und finden nicht immer bei allen Landesteilen Gefallen. Es müssen also Stücke gefunden werden, die das können und dazu verführen, sich mit Theater der anderen Kantone zu beschäftigen.“

Die Sélection auf einen Blick

Darunter hat „Ödipus Tyrann„…

überzeugt, es handelt sich um ein Powerplay von zwei Frauen unter der Regie von Nicolas Stemann. «Ich habe Frauen noch nie so spielen sehen – die Tragödie wird mit einem grossen Stadttheatergestus vertreten, die Rollen schauspieltechnisch auf hohem Niveau und mit einem extremen Selbstbewusstsein gespielt – was überzeugt und gleichzeitig berührt.» Mit der Eröffnung möchte Paucker ein Zeichen setzen für die grossartigen schauspielerischen Leistungen und Regiehandschriften.

„EWS“

ist eine deutsch-schweizerische Produktion vom Theater Neumarkt, wie der Titel sagt „- Der einzige Politthriller der Schweiz“, und war bisher immer ausverkauft. „In dieser Produktion versammelt sich vieles, was ich persönlich gerne mag. Es ist gleichsam Revue, musikalische Choreografie und „Marthalerisch“ vom Stil her – schräg und skurill mit einem poetisch-dokumentarischen Boden. Für das Theatertreffen ist das Stück wie gespuckt – die Schweiz behandelt einen Politfall, das passt auf vielen Ebenen gut! Gleichzeitig ist das Stück EWS ein Kind unserer Zeit!“ Ein grosser Anteil der Schauspielerinnen sind Laien. «Expert*innen und Zeug*innen des Alltags sind als Praxis neuerdings beliebt!» Ausserdem tritt mit Lara Stoll eine sehr gute Slam-Poetin auf und rundet das Ganze ab.

„In dieser Produktion versammelt sich vieles, was ich persönlich gerne mag. Es ist gleichsam Revue, musikalische Choreografie und „Marthalerisch“ vom Stil her – schräg und skurill mit einem poetisch-dokumentarischen Boden. Für das Theatertreffen ist das Stück wie gespuckt – die Schweiz behandelt einen Politfall, das passt auf vielen Ebenen gut! Gleichzeitig ist das Stück EWS ein Kind unserer Zeit!“

„The Game of Nibelungen“…

findet in Klassenzimmer statt, Paucker sagt dazu: «das Stück ist aber nicht für Kinder – das ist schon der Witz». Laura Gambarini erteilt eine Deutschlektion vor einem vorwiegend frankophonen Publikum, «eine grosse Komödie in a Nutshell – das muss man nicht weiter begründen, es geht um den Röstigraben und die schlechte Sprachkompetenz der Romands».

Bei „Le relazione pericolose“

ist die italienische Version des französischen Briefromans «Gefährliche Liebschaften», Künstlerische Leitung hat der Direktor des Theaters, Carmelo Rifici, übernommen. Paucker erklärt: «Er hat mit verschiedenen Texten gearbeitet, um die philosophische Auseinandersetzung mit Macht, Liebe, Kampf und Krieg anhand der Hauptfiguren durchzuspielen – idealer Stoff für die Kriegsführung in der Erotik!» Es handelt sich um eine aussergewöhnlich schöne, installative Bühnengeschichte, mit einfachen theatralen Mitteln werden grosse Bilder erzeugt. «Ich wollte unbedingt eine grosse Bühnenproduktion aus der italienischen Sprache ans Theatertreffen bringen, wo im Tessin vorwiegend kleinere erarbeitet werden – oder Abgänger*innen der Scuola Dimitri, deren Produktionen eher verspieltere Formen annehmen. Italienisch ist ausserdem eine grossartige Bühnensprache!»

„Bias aller retour“ …

– «das Vorurteil» ist eine Familienposition, die sich an junge Leute richtet, aber auch für Erwachsene unterhaltsam ist. Das Théâtre Am Stam Gram ist berühmt für Familien- und Kinderproduktionen, das grosse Ensemble erzählt eigene Geschichte über die Problematik des Alterns der Grossmutter. Aber das Besondere an der Produktion ist der politische Horizont, „das Stück hat gleichzeitig eine humorvolle Ebene und ist spektakulär auf technischem Niveau- es ist etwas los! Es geht um die Themen Tod, Armut und was Fantasie bewegen kann.“ 

Das Stück „Rendez-vous„…

stammt direkt von Eugénie Rebetez, die, in der Deutschschweiz noch kaum bekannt, in der Romandie ein gefeierter Star ist. Sie arbeitet primär mit Künstler*innen, die nicht aus ihrem Metier kommen – genau diese Begegnungen sucht sie auf der Bühne. Dies passiert physisch wie musikalisch, über Bewegung, und ist in jedem Fall sehr unterschiedlich. «Es hat mit den Realitäten zu tun, die diese Personen mitbringen. Das Resultat ist sehr zart und berührend, und trägt den Charme ihrer Person, aber auch eine gewisse Bescheidenheit, da Rebetez wirklich das Verborgenen sucht, was zwischen ihr und den Künstler*innen liegt. Es wirkt repräsentativ für den Wunsch nach dem Erfahren andere Realitäten.“, erzählt Paucker.

„Ich hoffe sehr auf Folgeeinladungen, denn dies ist sehr dringlich. Es handelt sich um eine Koproduktion, das un-schweizerischste und schweizerischste Stück gleichzeitig – die Thematik ist schweizerisch, das Ensemble international.“

„The Ghosts Are Returning“

wird von einem deutsch-schweizerisch-kongolesischem Ensemble gespielt, die Leute müssen extra hierfür engagiert werden. Bisher wurde das Stück erst in der Kaserne Basel mit grossem Erfolg aber vor wenig Publikum gespielt. «Ich hoffe sehr auf Folgeeinladungen, denn dies ist sehr dringlich. Es handelt sich um eine Koproduktion, das un-schweizerischste und schweizerischste Stück gleichzeitig – die Thematik ist schweizerisch, das Ensemble international.» Paucker freut besonders die Mehrsprachigkeit, die Sprachen aus dem Kongo, die Musik, der Sprechgesang – ein grosses Konzert mit dokumentarischem Inhalt. Es dreht sich um das Verhalten der Schweiz in Kolonialzeiten, Paucker erklärt: «Im Fokus stehen traditionelle Trauerrituale, welche aufgrund von Grabschändungen zelebriert wurden. Es geht um den Ernst des Themas und die Restituierungs-Debatte. Aber auch um die längerfristigen Folgen von Kolonialismus und Ausbeutung. Zusätzlich ist während der Produktionszeit ein Ensemblemitglied gestorben und damit spielt eine persönliche Trauer mit in den Abend, was man spürt und auch explizit erwähnt wird. Und dennoch erlebt man einen schönen, lustvollen und musikalischen Theaterabend mit einem moralischen, aber nicht belehrenden Apell, der sich nicht zu ernst nimmt und sehr leicht und versöhnlich wirkt.“

„Deshalb auch die Klammern „Umbruch“ – Sachen sind nicht mehr gewiss – und „Aufbruch“ mit einer positiven Note, und dem Ziel, eine Umfunktionierung vom einen zum andern herbeizuführen.“

Für die künstlerische Leiterin des Schweizer Theatertreffen Julie Paucker steht die aufwühlende Zeit, in der wir leben, sinnbildlich dafür, dass Gewohnheiten und Gewissheiten auch in der Schweiz sich verändern und sogar wegbrechen können. Sie sagt: „Wir haben hier eine sehr privilegierte Lage, es stellt sich oft die Frage, wie es weiter geht, wie sich das System verändert, und wie man die positiven Veränderungen nutzen kann. Deshalb auch die Klammern „Umbruch“ – Sachen sind nicht mehr gewiss – und „Aufbruch“ mit einer positiven Note, und dem Ziel, eine Umfunktionierung vom einen zum andern herbeizuführen. Das hat viel mit den Stücken zu tun, die absichtlich nicht nach einer Thematik ausgewählt sind, jedoch der Realität für uns alle entsprechen, dass Dinge auseinanderbrechen! Die Kooperation mit „Tasty Future“ rundet das Programm ab den Anspruch, Dinge zum Positiven verändern zu können, darunter einen Umbruch in den Medien herbeizuführen, Richtlöhne im Markt zu setzen und das allgemeine Prekariat unter den Künstler*innen zu vermindern.“

 

 

Und bitte! Couch und Kaffee. Der Schauspielpodcast.

Hier sind wir! Das Schauspieldoppelpack Tina Kümpel & Christian Jankovski Christian mit dem Schauspielpodcast für Schauspieler*innen, solche die es werden wollen und alle, die sich für das Thema interessieren. Wir tauchen gemeinsam in die Film- und Theaterwelt ein, berichten über eigene Erfahrungen, Stolpersteine, Ups and Downs, besprechen Schauspielmethoden und diskutieren aktuelle Themen aus der Branche. Uns interessieren auch deine Geschichten, Fragen und Anliegen. Mit immer mal wieder spannenden Gästen runden wir das ganze ab.

Hör zu, sei dabei und werde Teil von uns.
Collaboration with Szene Schweiz 

In der aktuellen Folge #7: Subventionen, Lohnkampagne und Traumrolle geht es um folgende Inhalte:

Heute besprechen wir das neue Subventionskonzept Zürichs und was es für Auswirkungen auf bestehende Kleintheater hat, wer darunter leidet und wie wir dazu stehen. (Un)faire Löhne und unschöne Zustände am Set nehmen wir ebenfalls unter die Lupe. Das Fragenglas darf nicht fehlen mit einer neuen, spannenden Frage und zu guter letzt gibts einen Filmtipp, der ein brandaktuelles Thema anspricht.

Lesen Sie hier den passenden Artikel zum Thema auf ENSEMBLE Magazin.

Kleintheater vor dem Aus: Zürcher Kulturförderung auf Abwegen

Die Bewerber*innen für Kulturfördergelder der Stadt Zürich werden gegeneinander ausgespielt und undurchsichtige Entscheidungen gefährden ganze Existenzen. Der Stadtrat der Stadt Zürich streicht den beiden kleinen Zürcher Theatern STOK und Keller62 ab Ende 2025 die städtische Kulturförderung. Das kann ihr Ende bedeuten und ist ein massiver Verlust für die Zürcher Kultur.

Ein Verlust für das Publikum, die restlichen Theaterhäuser, aber auch für die dort auftretenden Theaterschaffenden und die vielen gastierenden Gruppen von Nah und Fern. Arbeitsplätze werden vernichtet, Existenzen gefährdet und Traditionen zerstört.

Ich schreibe hier als Kulturkonsument, nicht als Teil der Szene und von Aussen gesehen ist dieser Entscheid nicht nachvollziehbar. Noch 2018 stellte eine unabhängige Expertengruppe aus Graz (Integrated Consulting Group) mittels grosser Studie und im Auftrag der Stadt fest, kein kulturelles Überangebot in Zürich zu finden. Wie kann es also sein, dass die gleiche Stadt drei Jahre später zum Schluss kommt, man müsse zwei etablierten Kleintheatern die Existenzgrundlage entziehen?

HIER PETITION UNTERSCHREIBEN

Im neuen Fördermodell der Stadt Zürich werden die kleinen Theater gegeneinander in einen Wettbewerb geschickt und kämpfen ums Überleben. STOK und Keller62 schenken uns jährlich um die 250 bis 280 Vorstellungen und können gegenüber der Stadt Zürich eine Selbstfinanzierung von über 70 Prozent vorweisen. Das allein belegt, dass ein Angebot, wie es die beiden Häuser liefern, von der Bevölkerung geschätzt und genutzt wird.

Fehlende Diversität?

Laut städtischer Jury soll ihren eingereichten Konzepten die „Diversität“ fehlen. Was doch eher komisch anmutet, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel der Keller62 seit 20 Jahren, neben vielen anderen Events, ein theatrales Flaggschiff des LGBTQ+ Festivals „warmer mai“ ist und immer wieder queere Künstler:innen auf und neben der Bühne fördert und nebenbei auch noch von einem Immigranten geleitet wird. Das Theater STOK wurde von einem Exil-Polen gegründet und sein Programm ist vielfältiger als die Vielfalt selbst.

Ist es nicht eher so, dass dieser städtische Wettbewerb selbst die geforderte Diversität beschneidet? Die Menschen, die aus Zürich und der ganzen Schweiz in diese beiden Theater kamen, ob als Theaterschaffende oder als Publikum, haben jetzt keine Wahl mehr. Sie liebten die Intimität und gerade auch die Vielfalt dieser beiden Theater und werden kaum einen Ersatz finden. Denn in der durchkuratierten Landschaft gibt es keinen Platz mehr für sie.

Eine Vorstellung an den hochsubventionierten Häusern wird durchschnittlich mit knapp 80 000 Franken subventioniert. Das ist in etwa die gleiche Summe, welche die beiden kleinen Theater bisher gemeinsam und für ein ganzes Jahr an Fördermitteln bekamen. Es kann also nicht um Finanzen gehen.

Keine Hinterzimmer-Entscheide über die Existenzgrundlage echter Menschen!

Das Überleben von Kunst und Kultur darf nicht von einem kleinen, grauen Gremium in irgendeinem Hinterzimmer entschieden werden. Denn Kunst und Kultur sind immer Geschmackssache. Und sie gehören uns allen. Nur schon wegen der Vielfalt. Wir sind das Publikum. Lasst uns für unser Kulturangebot kämpfen.

Und hey, wegen der Diversität, habt ihr es gewusst? In der Sprache Wolof, in Senegal, gibt es ein Wort, das heisst „Nioukuboouku“. Es wird nur gesprochen und nicht geschrieben und bedeutet so etwas wie „es ist für uns alle“.

HIER PETITION UNTERSCHREIBEN

ZAHLEN:
KELLER62. Seit 1999 fanden hier an die 1086 Produktionen mit 2890 Vorstellungen statt. Das sind durchschnittlich 45 Produktionen und 121 Vorstellungen pro Saison. Die veranstalteten Workshops wurden von über 220 Menschen in insgesamt 26 400 Stunden besucht.
Theater STOK. In den letzten 10 Jahren fanden hier 403 Produktionen mit 1584 Vorstellungen statt. Das sind durchschnittlich 40 Produktionen und 158 Vorstellungen pro Jahr.

Vasyl Protsiuk: „In der Ukraine werden kaum mehr Filme gedreht“

Die Casterin Corinna Glaus* hat das ENSEMBLE Magazin auf den ukrainischen Schauspieler und Fotografen Vasyl Protsiuk aufmerksam gemacht, dessen Arbeiten aufwühlen und bewegen. Wir haben uns entschieden, ihm eine Bühne zu geben.

*An der diesjährigen Berlinale gab eine Art Speed Dating, zwischen Caster*innen und Schauspieler*innen aus der Ukraine. Corinna Glaus von Glaus Casting hat dort Vasyl Protsiuk kennengelernt und war von ihm und den anderen Teilnemer*innen ebenso berührt wie inspiriert.

Protsiuk lebt wie so viele geflüchtete Ukrainer*innen im Moment in Berlin und versucht dort als Schauspieler Fuss zu fassen. Daneben ist er auch Fotograf und hat sich auf Porträtfotografie für Schauspieler*innen spezialisiert. Gerne würde er seine Dienste ab sofort auch in der Schweiz anbeiten, ist jedoch noch nicht vernetzt – wir von Ensemble Magazin bieten ihm dafür eine Plattform, sich vorzustellen und seine Situation zu erklären:

Vasyl Protsiuk: Im Folgenden finden Sie den Text und ein kurzes Video zu meiner aktuellen Situation und einige Informationen über mich und mein Leben vor dem Krieg in der Ukraine.

Ich habe an der Karpenko-Kary Kiewer Nationalen Universität für Theater, Kino und Fernsehen Schauspiel studiert und mich auf Puppenspiel spezialisiert. Bereits seit Beginn meines Studiums habe ich ausserdem in Fernsehserien, Kurzfilmen und Werbespots mitgewirkt. Darunter im Kurzfilm „Battle of Kruty“, der TV-Serie „TOPTUN“, der TV-Serie „Love in chains“ und im Werbespot „Vodafone Ukraine“.

Seitdem werden in der Ukraine fast keine Filme mehr gedreht, schauspielerische Arbeit findet somit fast keinen Platz mehr. Die Arbeit ohne finanzielle Unterstützung, die es gibt, dient hauptsächlich der Unterstützung der Bevölkerung und den ukrainischen Soldaten. Die meisten Schauspieler sind auf der Suche nach zusätzlicher Arbeit oder einer Umschulung.

Vasyl Protsiuk, ukrainischer Schauspieler

Am 19.02.22 hatte ich den letzten Drehtag in der Fernsehserie „Liebe in Ketten“, und am 25.02.22 musste ich nach Warschau fahren. Aber dann traf auch mich der Krieg um 4 Uhr morgens in Kiew, mit dem bedrohlichen Lärm von Explosionen, Panzern am Stadtrand und totaler Panik in der Stadt.

Seitdem werden in der Ukraine fast keine Filme mehr gedreht, schauspielerische Arbeit findet somit fast keinen Platz mehr. Die Arbeit ohne finanzielle Unterstützung, die es gibt, dient hauptsächlich der Unterstützung der Bevölkerung und den ukrainischen Soldaten. Die meisten Schauspieler sind auf der Suche nach zusätzlicher Arbeit oder einer Umschulung.

Die zweite Sache, die ich in Polen erlebt habe, war die Positionierung und Stigmatisierung von Ukrainern als Verbrecher*innen und Opfer. Mit einem ukrainischen Akzent hat man wenig bis keine Chance, eine Rolle zu ergattern.

Jetzt bin ich in Europa, hauptsächlich in Berlin, und arbeite hier weiter als Schauspieler. Vor kurzem habe ich in einem polnischen Spielfilm über die Situation in der Ukraine mitgewirkt und dafür die Rolle eines Soldaten gespielt. Ich möchte gerne als Schauspieler in Europa arbeiten, aber es gibt dabei einige Schwierigkeiten. Erstens die Sprachbarriere – ich spreche bisher noch kein Deutsch, und um in Deutschland zu spielen, ist dies Voraussetzung. Die zweite Situation, die ich in Polen erlebt habe, war die Positionierung und Stigmatisierung von Ukrainer*innen als Verbrecher*innen und Opfer. Mit einem ukrainischen Akzent hat man somit wenig bis keine Chance, eine Rolle zu ergattern.

Neben der Schauspielerei fotografiere ich auch Portfolios und professionelle Fotografien von Schauspielern, das macht mir sehr viel Spaß. In der Ukraine habe ich mehr als 140 Schauspieler*innen portraitiert. In Berlin habe ich bereits ein kleines Fotostudio, ich fotografiere Schauspieler*innen aus verschiedenen Ländern, hauptsächlich Ukrainer*innen, weil ich unter ihnen am besten vernetzt bin. Ich würde aber gerne mehr mit europäischen Schauspieler*innen arbeiten, um sie professionell zu portriatieren und ihnen so zu helfen, mehr Angebote für Filme zu bekommen.

Helfen Sie mit, mich zu vernetzen!

Ensemble Magazin vermittelt Sie gerne direkt an Vasyl Protsiuk. Kontaktieren Sie uns per E-Mail: ensemble@szeneschweiz.ch

Manifest „Der Kulturjournalismus gehört in die Kulturbotschaft“

Der Verein ch-intercultur, der sich für Kulturkritik und für Information über kulturelles Schaffen und Leben engagiert und den Informationsaustausch über die Grenzen der Sprachregionen hinweg fördert, hat das dreisprachige Manifest „Der Kulturjournalismus gehört in die Kulturbotschaft“ lanciert, das bereits über 300 Leute unterzeichnet haben.

„Kulturjournalismus ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Kulturproduktion. Kulturproduktion ohne kritische Rückmeldung ist eine Sackgasse.“, heisst es im Manifest. Die anstehende Vernehmlassung zur vierten Kulturbotschaft des Bundesrates gebe erneut Gelegenheit zu einer Diskussion über die Aufgaben der Kulturpolitik. Bereits die Kulturbotschaft 2012-2015 hielt fest, „Informationsdefizite“ erschwerten den Zugang zur Kultur. Die Situation habe sich seither noch einmal dramatisch verschlechtert, so die InitiantInnen.

Manifest:

„Der Kulturjournalismus ist in einer prekären Situation. Ressourcen wurden massiv abgebaut, die Publikationsorte schwinden, der Nachwuchs hat keine Perspektiven und fehlt zusehends. Hauptleidtragende sind die Kunst und deren Vermittlung. Gewiss fliessen etliche Fördergelder in Marketing und Öffentlichkeitsarbeit und die Notwendigkeit dafür wird zu Recht breit anerkannt. Nur müssen daneben auch Mittel zur Verfügung stehen, um den Kunstschaffenden die unabdingbare kritische Rückmeldung zu bewahren. Kunst, die nicht journalistisch unabhängig reflektiert und so in die Gesellschaft getragen wird, verliert ihre Bedeutung. Sie spielt politisch und gesellschaftlich eine immer geringere Rolle. Über sie wird nicht mehr gestritten, das historische Gedächtnis kommt abhanden, der Förderung fehlt der Echoraum, die demokratische Legitimation bröckelt.

Kulturjournalismus ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Kulturproduktion. Kulturproduktion ohne kritische Rückmeldung ist eine Sackgasse.

Die anstehende Vernehmlassung zur vierten Kulturbotschaft des Bundesrates gibt erneut Gelegenheit zu einer Diskussion über die Aufgaben der Kulturpolitik. Bereits die Kulturbotschaft 2012-2015 hielt fest, «Informationsdefizite» erschwerten den Zugang zur Kultur. Die Situation hat sich seither noch einmal dramatisch verschlechtert.

Es ist Zeit, endlich zu handeln. Nötig sind weniger neue Gesetze als ein neuer Wille und eine neue Praxis. In den Jurys und Kommissionen ist viel Fachwissen vorhanden, doch dieses wird, wie das Kunstschaffen selbst, kaum mehr Gegenstand einer öffentlichen Diskussion, die regionen- und sprachenübergeifende Wirkung entfaltet. Der Echoraum der Medien fehlt. Um einen solchen zu schaffen, müssen neue Instrumente der Förderung entwickelt und unterstützt werden

Wir appellieren an den Bundesrat, ans Parlament, an die Kultur- und Publikumsorganisationen und nicht zuletzt an die Medien:
Die Förderung der kritischen Rückmeldung bedarf griffiger Massnahmen. Der Kulturjournalismus gehört in die Kulturbotschaft.

Hier kann man das Manifest unterschreiben!

„Existenzen sind bedroht, Arbeitsplätze gehen verloren“

Die beiden Kleintheater Keller62 und STOK verlieren voraussichtlich ihre städtische Kulturförderung. Das kann das Ende für diese Bühnen bedeuten. ENSEMBLE Magazin im Gespräch mit dem Leiter des Keller62, Lubosch Held-Hrdina. Er ist neben seiner leitenden Funktion am Theater auch als Regisseur, Autor, Übersetzer, Coach, Workshopleiter und Trainer tätig und setzt sich gezielt für den Erhalt der beiden Spielorte ein. Held-Hrdina ist davon überzeugt, dass genau solche Kleinsttheater den eigentlichen Charme der Stadt Zürich ausmachen.

Bilder: zvg Theater Keller62

Einführend das Statement von Salva Leutenegger, Geschäftsführerin von SzeneSchweiz (Verband Darstellende Künste):

„Als Berufsverband der Darstellenden Künstler*innen bedauern wir den Entscheid der Stadt Zürich, zwei Kleintheatern (Stok und Keller62) die Subventionen zu streichen. Mit diesem Entscheid baut die Stadt Arbeitsplätze für professionelle Künstler*innen ab, welche schon in prekären Verhältnissen leben müssen. Mit dem neuen Programm Konzeptförderung Tanz und Theater führt die Stadt einen ungesunden Wettbewerb unter Theaterhäusern ein, der letztlich zu Lasten der Theaterschaffenden und des Publikums geht. Corinne Mauch beklagt im Artikel „Zürcher Kultur-Subventionen – Für den Keller62 und das Theater Stok wird es eng“ im Tages-Anzeiger vom 18.04. die mangelnde Vielfalt der betroffenen Theater. Aber gleichzeitig wird mit der Streichung der Subventionen die Vielfalt der Kleinkunst vernichtet. Am Ende gibt es nur Verlierer.“

Interview

 

Ensemble Magazin: Wie sah die bisherige Situation des Theaters aus und was hat sich geändert?

Lubosch Held-Hrdina: Seit mehreren Jahrzehnten leisten die beiden kleinsten Zürcher Theater, Keller62 und STOK, grosse und engagierte Arbeit im Bereich Sprech- und Tanztheater. Sie haben sich ein Publikum erspielt, ohne jegliche Unterstützung begonnen, dann eine erste öffentliche Unterstützung bekommen, bis die Kontinuität und die Qualität ihrer Arbeit schliesslich in Form von (zunächst sehr kleinen) Subventionsbeiträgen gewürdigt wurde. Die Qualität ihrer Arbeit wurde stets geprüft und für unterstützungswürdig befunden.

Nun haben die Stadt Zürich und Frau Corine Mauch entschieden, sie ab 2025 nicht mehr unterstützen zu wollen. Laut Stadtrat tragen die beiden Theater und ihre Konzepte zu wenig zur Vielfalt des kulturellen Angebots, zur Innovation und zur Vernetzung der Tanz- und Theaterlandschaft bei. Man stuft die Bedeutung der beiden Theater für die Gesamtlandschaft als zu wenig dringlich und überzeugend ein.

Was bedeuten die Veränderungen spezifisch für euch und was ist daran ungerecht?

Wir sind schockiert. Existenzen sind bedroht, Arbeitsplätze gehen verloren, auch die Tradition scheint nicht viel zu zählen. Von dem ganzen Herzblut gar nicht zu reden.

Was, denken Sie, passiert mit dem Publikum?

Es ist ein Trugschluss, zu denken, dass sich das Publikum auf andere Häuser umlenken lässt. Und: Wenn diese zwei traditionsreichen „Kleinsthäuser“ wirklich zugehen sollten, würden die Theaterschaffenden zwei Spielorte verlieren, die für sie ebenfalls existenziell sind. Es bereitet mir grosse Sorgen, wo die Betroffenen in Zukunft ihrer Arbeit nachgehen sollen. Der Keller62 decke eine Nische ab, die alle anderen geförderten Theater nicht bespielen — all die Produktionen, die von den stark durchprogrammierten, beziehungsweise kuratierten Häusern nicht berücksichtigt werden können, finden hier eine Bühne.

Es werden Existenzen bedroht, Arbeitsplätze gehen verloren, auch die Tradition scheint nicht viel zu zählen.

Hier spielen besonders der Nachwuchs eine Rolle, als auch Theaterschaffende, die im „normalen“ Theaterbetrieb oftmals keinen Stand mehr finden, weil sie beispielsweise zu alt sind. Der Keller62 kann somit als Schnittpunkt in der Kulturlandschaft verstanden werden und erzeut eine unheimlich wertvolle Energie und Kreativität. Das merkt auch das Publikum, welches gerne solche Kleinode besucht, auch weil sie fern von jeglichem Schickschnack sind, und das pure Herz ist hier zum Greifen nah ist. Intimer geht es kaum. Konkret und ohne Emotion lässt sich die Situation so zusammenfassen: In den beiden Kleintheatern finden pro Saison zusammengerechnet etwa 280 Aufführungen mit allen Konsequenzen (Arbeitsplatz, Spielort, Publikum, Kurse, etc.) statt. Es stellt sich für mich die dringliche Frage, wie die Zukunft der beiden Kleintheater aussieht.

Der Keller62 kann somit als Schnittpunkt in der Kulturlandschaft verstanden werden und erzeut eine unheimlich wertvolle Energie und Kreativität.

Was zeichnet den Keller62 desweiteren als Spielstätte im Hinblick auf die Kulturlandschaft in Zürich aus?

Der Keller62 ist zudem auch eine zuverlässige Anlaufstelle für auswärtige Gastspiele. Zum Beispiel die Bündner Theaterschaffenden, die ihre Stücke auch in Zürich zeigen wollen. Es gibt auch regelmässige Kontakte zum Rätoromanischen, oder ins Tessin, Freiburg, Berlin, und Prag. Zudem gibt es  zwei Festivals, wo die verschiedenen Sprachen sich kreuzen. Ich frage mich, wo all diese Projekte nun gespielt werden sollen? Was passiert mit dem Publikum, das all diese Stücke sehen will? Und eben, die Newcomer und „Oldcomer“, die sich gegenseitig in ihrem Schaffen befruchten. Wir fördern neue Gruppen, haben auch einen speziellen Kanal dafür, wir wollen das Theater ins Leben bringen. Wir machen Workshops. All das stärkt die Diversität und Teilhabe ungemein. Soll das alles verschwinden?

Wir fördern neue Gruppen, haben auch einen speziellen Kanal dafür, wir wollen das Theater ins Leben bringen. Wir machen Workshops. All das stärkt die Diversität und Teilhabe ungemein.

Die Absurdität der Entscheidung wird einem bewusst, wenn man aus der stadträtlichen Begründung erfährt, was die Jury empfieht. Sie möchte den Keller62 und das Theater STOK als Spielorte für die Freie Szene aufrecht erhalten. Diese Orte würden benötigt, weil der Bedarf an geeigneten Räumlichkeiten in der Zürcher Tanz- und Theaterlandschaft gross ist und deswegen ihre Schliessung für die Gesamtlandschaft und ihre potenzielle Vielfalt nicht förderlich wäre. Was ja auch stimmt, die Not an Spielorten ist gross, gerade nach Corona. Aber gleichzeitig wird uns die Subvention gestrichen? Wie geht das zusammen?

Wie begründet die Jury diesen Entscheid?

Den beiden Häusern würde es an Vielfalt und Vernetzung fehlen, meint die Jury des Stadtrats. Der Keller62 würde zu wenig zur Vielfalt des Angebots, zur Innovation und zur Vernetzung der Tanz- und Theaterlandschaft beitragen. Beim STOK wird ein ähnliches Urteil gefällt – was beides befremdlich ist.

Das neue Förderungsmodell hinterlässt viele Fragen und viele unschöne Baustellen, auch bei den Institutionen, die weiterhin gefördert werden sollen.

Wie fallen die Reaktionen darauf aus?

Wie man hört, herrscht nach diesen Entscheiden fast in der ganzen Szene ein Erwachen. Das neue Förderungsmodell hinterlässt viele Fragen und viele unschöne Baustellen, auch bei den Institutionen, die weiterhin gefördert werden sollen. Denn auch bei ihnen decken sich Versprechungen und Erwartungen nicht mit dem Resultat. Ich finde folgenden Umstand bemerkenswert: Am Anfang der neuen Förderung vor 7 Jahren vergab die Stadt Zürich einen grossen Auftrag an eine externe Firma, die „Integrated Consulting Group“ aus Graz, Österreich. Sie sollte für viel Geld die gesamte Theaterlandschaft auf Herz und Nieren prüfen. Dies tat sie auch. Das Resultat war eigentlich sehr erfreulich, denn die Befürchtung, es gäbe ein Überangebot bestätigte sich überhaupt nicht. Im Gegenteil, es bescheinigte Zürich einen guten Wachstum und eine gesunde, diverse und gut entwickelte Theaterszene. Warum hat sich der Stadtrat nicht daran orientiert und streicht nun ausgerechnet den zwei kleinsten, schwächsten und billigsten Kleintheatern die Subvention? Was ist der Sinn und die Logik? So viel Theater für so wenig Geld liefert sonst keine andere Bühne der Stadt.

Nicht nur die Vielfalt von Inhalt, Häusern, Gruppen und Publikum wird durch die neue städtische Förderung beschnitten, sondern es wird auch die Entwicklung der ganzen Theaterlandschaft erheblich erschwert, bis verhindert.

Was könnten mögliche Konsequenzen darauf sein?

Bei der nächsten Subventionsvergabe wird wohl wieder ein Theater gestrichen werden, denn dies ist das Prinzip des neuen Fördermodells – der Wettbewerb an sich. Aber darf man Kunst überhaupt in einen existentiellen Wettbewerb schicken? In Zukunft wird jede Weiterentwicklung eines Hauses nur auf Kosten eines anderen Theaters möglich sein. Das soll Fortschritt und Innovation sein? Nicht nur die Vielfalt von Inhalt, Häusern, Gruppen und Publikum wird durch die neue städtische Förderung beschnitten, sondern es wird auch die Entwicklung der ganzen Theaterlandschaft erheblich erschwert, bis verhindert.

Die positive Energie, die dieses aussergewöhnliche Theater besitzt, ist einmalig. Dieser mauersteinige Keller hat uns, und vielen anderen, so viel gegeben, jetzt ist es an der Zeit, ihm etwas zurückzugeben.

Wie sieht die mögliche Zukunftsplanung aus und/oder was sind Lösungsansätze für die bestehende Problematik?

Ich denke, (auch wenn ich jetzt nur für den Keller62 spreche, weil die Situation im STOK noch viel komplizierter ist,) der Keller62 wird auch diese Katastrophe umschiffen und oder lösen können. Die positive Energie, die dieses aussergewöhnliche Theater besitzt, ist einmalig. Dieser mauersteinige Keller hat uns, und vielen anderen, so viel gegeben, jetzt ist es an der Zeit, ihm etwas zurückzugeben. Wir kämpfen, damit er am Leben bleibt! Auch weil so viel daran hängt. Nicht nur Einzelschicksale mit Kindern und Familien, sondern auch ganze Entwicklungen. Es ist klar, ein Theater ohne eine Subvention zu betreiben ist praktisch unmöglich. Aber wir werden versuchen, auch mit der Stadt Zürich, eine andere, oder neue Lösung zu finden. Und wir werden sofort mit dem Aufbau einer Lobby beginnen. Diese beiden Theater müssen erhalten bleiben, da sind wir uns ja mit der Jury einig. Auch die enorme Solidarität ist gut spürbar. Und wird immer stärker. Gleich nach der Bekanntmachung haben sich die ersten Menschen gemeldet, die uns helfen wollen. Leider war bisher kein Grossgönner dabei – dann wären wir unabhängig.

Was ist sonst noch geplant im Rahmen aktivistischer Arbeit?

Wir werden zudem eine Kampagne starten. Und in neue Richtungen denken, beispielsweise die Grossen für die Kleinen begeistern. Neue Szenarien entwickeln. Aber selbst dann wird es knapp, eine echte Zukunft ohne Subvention ist kaum möglich. Kein Theater der Welt kann das stemmen. Aber eine Subvention ist relativ. Wir sprechen da von etwa 300 Subventionsfranken pro Vorstellung, mit denen die beiden Kleinstbühnen im Schnitt und pro Vorstellung von der Stadt bisher unterstützt wurden. Für den Vergleich, beim grössten Zürcher Theater sind es etwa 78 000.- Franken und bei den übrigen kleinen Häusern beträgt dieser Mittelwert etwa 3 500.- Subventionsfranken pro Vorstellung. Wo ist die Logik? Der Keller62 und das STOK bekommen im Schnitt 300 Subventionsfranken pro Vorstellung. Die Stadt Zürich möchte nun dieses Geld für sich gewinnen. Und verliert dabei so viel.

Also lautet mein Wunsch an die Politik, bitte züchten sie keine kulturellen Hochleistungsbetriebe, die einander immer ähnlicher werden. Richten sie Ihren Blick nicht nur an die Spitze und ihre Topleistungen, folgen Sie nicht nur dem Glanz. Jede Pyramide braucht ein gutes Fundament. Unterstützen sie die Basis, die kleinen und kleinsten Spielorte der Kunst, des Theaters. Denn sie sind es, die Ihnen aus tiefster Überzeugung die späteren Erfolge bringen, die nach ganz Europa strahlen.

Wie sehen eure Wünsche seitens Politik aus?

Die Kreativität, aber auch die Leistung, entsteht an der Basis. Also lautet mein Wunsch an die Politik, bitte züchten sie keine kulturellen Hochleistungsbetriebe, die einander immer ähnlicher werden. Richten sie Ihren Blick nicht nur an die Spitze und ihre Topleistungen, folgen Sie nicht nur dem Glanz. Jede Pyramide braucht ein gutes Fundament. Unterstützen sie die Basis, die kleinen und kleinsten Spielorte der Kunst, des Theaters. Denn sie sind es, die Ihnen aus tiefster Überzeugung die späteren Erfolge bringen, die nach ganz Europa strahlen. Viel Mondänes und Übersattes zeigt Zürich der Welt – aber sind es nicht Orte wie der Keller62, die den wahren Zauber dieser Stadt ausmachen? Schenken Sie dem Keller62 und dem Theater STOK Ihr Herz.

Die Stadt Zürich spart durch die Streichung der beiden Subventionen Sfr. 83 500.- jährlich ein und verzichtet dafür auf zwei dringend benötigte, etablierte Spielorte mit durchschnittlichen 279 Vorstellungen und 86 Produktionen pro Jahr. Die Vorstellungen im Keller62 und im Theater STOK werden von der Stadt Zürich zusammengerechnet mit Sfr. 299 pro Vorstellung subventioniert. Durchschnittlich werden die übrigen Zürcher Kleintheater mit Sfr. 3 476.- pro Vorstellung subventioniert, das Schauspielhaus mit Sfr. 78 000. (Quelle hier)

Theater Keller62 

  • Seit 1999 fanden hier 1086 Produktionen mit 2890 Vorstellungen statt.
  • Das sind im Schnitt 45 Produktionen und 121 Vorstellungen pro Jahr.
  • Weiter veranstaltete Keller62 zusätzlich an die 35 Workshops. Sie wurden von über 220 Menschen in insgesamt 26 400 Stunden besucht.
  • Der interne Proberaum wird kostengünstig der Freien Szene zur Verfügung gestellt.
  • Der Keller62 hat eine Selbstfinanzierungsquote von über 70%. Die Auslastung beträgt 71,3 %.
  • Jährliche Gesamteinnahmen/Ausgaben Verein Keller62: ca. Sfr. 180 000.-
  • Das Theater wird mit einem städtischen Beitrag von Sfr. 50 000.- unterstützt.

Theater STOK

  • In den letzten 10 Jahren fanden hier 403 Produktionen mit 1584 Vorstellungen statt.
  • Das sind im Schnitt 40 Produktionen und 158 Vorstellungen pro Jahr.
  • Das Theater STOK hat eine Selbstfinanzierungsquote von über 75%. Die Auslastung beträgt 75,0 %.
  • Jährliche Gesamteinnahmen/Ausgaben Verein STOK: ca. Sfr. 180 000.-
  • Das Theater wird mit einem städtischen Beitrag von Sfr. 33 500.- unterstützt (exkl. Miete)